Kommune des Jahres 2019 aus Baden-Württemberg

(14.09.2019)

Große Kreisstadt Giengen/Brenz

89537 Giengen an der Brenz
Mit aktiver Wirtschaftsförderung aus dem Schuldental
Die Große Kreisstadt Giengen an der Brenz darf sich offiziell „Hauptstadt der Teddybären“ nennen. Die Unternehmerin Margarete Steiff hatte den Ort mit ihrer Spielwarenfabrik einst weltbekannt gemacht. Darüber hinaus steht der Name Giengen auch als Geburtsstätte weiterer innovativer Hersteller wie die von Haushaltsgeräten, Feuerwehrausstattungen, Unternehmens-IT und Geräten der Zeitplanung. Die fast 20.000 Einwohner zählende Kommune gilt als Unterzentrum im Landkreis Heidenheim der Region Ostwürttemberg.

Das an den östlichen Ausläufern der Schwäbischen Alb gelegene Giengen verbindet auf originelle Weise industrielle Tradition und innovativen Geist. So hält der Industriestandort mehrere Trümpfe in der Hand: ein gutes Angebot an Arbeitsplätzen, angenehme Wohnqualität und attraktive Freizeitangebote. Und das in reizvoller Landschaft. Ein nicht unwichtiges Detail ist die schnelle Verkehrsanbindung an Städte wie München und Stuttgart durch die naheliegende Autobahn A7. Der hervorragende Status, den Giengen als Wohn- und Arbeitsstadt, beim Lebensgefühl für Familien und Kinder, bei der Innenstadtentwicklung und dem Zusammenleben der Bürger für sich reklamieren kann, ist den Verantwortlichen im Rathaus allerdings nicht in den Schoß gefallen.

Giengen war im Jahr 2000 in finanzielle Schieflage geraten, von der es sich in den folgenden Jahren nur langsam erholen konnte. Die Stadt musste sich zunächst ein strenges Sparkonzept verordnen. Erst mit der Wahl von Dieter Henle zum Oberbürgermeister ging ein Ruck durch Giengen.  Der neue Mann an der Stadtspitze setzte sich nach seiner Amtsübernahme erfolgreich für die Stelle eines Wirtschaftsförderers ein. Dieser konnte gezielt auf Partner und Interessenten aus Politik, Wirtschaft und dem Sozialbereich zugehen und sie für die Entwicklung der Stadt gewinnen. So gelang die Zertifizierung als attraktiver Wirtschaftsstandort und ein Weg zur 5-Sterne-Stadt wurde eingeleitet.
 
Die Große Kreisstadt investiert vor allem auf den Gebieten Digitalisierung und Rationalisierung. Giengens Bürger können das etwa bei der flächendeckenden Umstellung auf LED-Beleuchtung, der denkmalgerechten Sanierung einer ehemaligen Schule oder der Neugestaltung des Rathausplatzes feststellen. Darüber hinaus steht die Stadtspitze in ständiger Verbindung zu ortsansässigen Firmen, um sie für die Mitfinanzierung der Wirtschaftsförderung zu gewinnen. Regelmäßige Besuche der Stadtspitze in neuen Unternehmen sorgt für einen direkten Dialog zwischen Rathaus und Wirtschaft. Darüber hinaus trifft man sich einmal jährlich zum Handwerkerstammtisch. Vor einem Jahr wurde in der Stadt ein 40 ha großes Gebiet an der Autobahn entwickelt. Notwendige Genehmigungen für den neuen Giengener Industriepark A7 konnten in Rekordtempo realisiert werden.

Um Giengen als attraktiven Standort weiter zu entwickeln, sind insgesamt 130 Wohneinheiten im Bau, weitere 150 in Planung. Seit Februar verfügt Giengen über einen sogenannten Gründerbahnhof. Zwei der dort angesiedelten Start-up-Unternehmen beschäftigen sich mit der Herstellung von Biokohlenstoffen und organisieren Personalberatung. Potenzielle Gründer finden in der Stadtverwaltung einen zuverlässigen Partner und werden auf Wunsch von ihr gecoacht. Auch der Einsatz erneuerbarer Energien findet in der Rathausspitze Gehör. So zielt ein Forschungsprojekt der Giengener Stadtwerke mit der Hochschule Aalen auf die Entwicklung eines intelligenten Strom- und Wärmenetzes.

Durch Kooperation mit der IHK Ostwürttemberg sind Bildungspartnerschaften beispielsweise zwischen einem Hausgerätehersteller und den lokalen Schulen entstanden. Dabei bekommen Schüler Einblicke in naturwissenschaftliche und ingenieurtechnische Berufsfelder. Internationalen Fachkräften leistet die Stadt Giengen aktiven Vorschub bei ihrer Integration. So unterstützt sie neue Mitarbeiter bei Behördengängen und berät bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse.

Die Große Kreisstadt Giengen/Brenz wurde durch die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Aktiengesellschaft Zweigniederlassung Süddeutschland zum Sonderpreis „Kommune des Jahres“ im Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ nominiert.

Dipl.-Betriebswirt; Dipl.-Verwaltungswirt Dieter Henle; Oberbürgermeister; mit Begleitung (Foto: Boris Löffert)