Kommune des Jahres 2016 aus Niedersachsen

(10.09.2016)

Stadt Cuxhaven
27472 Cuxhaven

Offshore-Windkraft bringt frischen Wind

Die einzigartige Lage am seeschifftiefen Wasser der Elbemündung machte die Stadt Cuxhaven schon seit jeher zum perfekten Standort für die Seewirtschaft. So ist es kein Wunder, dass sich die Hafenstadt mit ihren rund 49.000 Einwohnern traditionell auf maritime Branchen wie den Fischfang, die Fischverarbeitung, die Schifffahrt und den Hafenumschlag konzentriert und spezialisiert. Allein in der Fischwirtschaft sind rund 40 Unternehmen mit 1.600 Mitarbeitern tätig. Dank seiner verkehrsgünstigen Lage im Kreuzungsbereich des Nord- und Ostseeverkehrs und als Drehscheibe für den Short-Sea-Verkehr hat sich Cuxhavens Seehafen in den letzten Jahren äußerst dynamisch entwickelt. Der Hafen mit einer Kailänge von 8.500 Metern und einer Gesamtfläche von 319 ha schlägt jährlich mit seinen 120 Betrieben über zwei Mio. Tonnen um.

Der Tourismus kann ebenso gute Zahlen vorweisen. Cuxhaven ist als größtes Nordseeheilbad einer der am stärksten nachgefragten Tourismusstandorte in der Region. Auch in der Pharmaindustrie, Biotechnologie und der Gesundheitswirtschaft arbeiten innovative Unternehmen, die den Wirtschaftsstandort Cuxhaven erheblich stärken und Zukunftsperspektiven bieten.

Die Agentur für Wirtschaftsförderung (AfW) der Stadt Cuxhaven ruht sich auf dieser guten Entwicklung allerdings nicht aus und rollt mit der Schaffung von Infrastruktur für die Offshore-Windenergie im Cuxhavener Hafengelände einer weiteren wichtigen Branche den roten Teppich aus. Eigens für den Bau und die Verschiffung der riesigen Windenergieanlagen wurden zwei Offshore-Terminals, ein Mehrzweckterminal, eine Schwerlastplattform, ein 600-t-Portalkran, 350-t-RoRo-Rampen sowie schwerlastfähige Lager- und Logistikflächen geschaffen. Rund 60 ha erschlossene, freie Gewerbe- und Industrieflächen mit Erweiterungsoptionen direkt hinter den Terminals gelegen, runden das Gesamtangebot ab. Cuxhaven bietet somit als Produktions-, Installations- und Servicehafen optimale Voraussetzungen, um Offshore-Windkraftanlagen mit allen erforderlichen Komponenten zu bauen, umzuschlagen und zu verschiffen.

Im August 2015 entschied die Siemens AG, Cuxhavens Infrastruktur zu nutzen und unterschrieb eine Ansiedlungszusage für den Bau einer Produktionsstätte für Offshore-Windturbinen. Der Konzern wird am Standort Cuxhaven bis Mitte 2017 die weltweit modernste Produktionsstätte mit rund 1.000 neuen Arbeitsplätzen errichten und rund 200 Mio. Euro in das neue Werk investieren. Die Ansiedlung von Siemens wird nicht nur dazu führen, dass viele neue Arbeitsplätze entstehen und für eine deutliche Belebung des Arbeitsmarktes sorgen, sondern auch erhebliche regional-ökonomische Effekte auslösen. Unternehmen und Dienstleister aus der Stadt, dem Landkreis und der Region werden von der Großansiedlung profitieren und an der Wertschöpfungskette partizipieren. Gleichzeitig wird die Ansiedlung von Siemens neue Zulieferunternehmen und Dienstleister an den Standort ziehen. Sie ist damit der größte Erfolg des bereits im Jahr 2003 von der Stadt Cuxhaven erarbeiteten Masterplans zur Entwicklung der Offshore-Basis Cuxhaven.

Cuxhaven setzt aber bei der Offshore-Windenergie nicht nur auf die großen Fische, sondern wirbt auch viele mittelständische Unternehmen wie Zulieferer oder Projektierer. Auch in allen anderen am Wirtschaftsstandort Cuxhaven vertretenen Branchen ist die AfW bestrebt, neue Unternehmen zu akquirieren. So siedelten sich die AMBAU GmbH im Jahr 2008, das „Havenhostels“ 2011, die O.S.T. Cuxhaven GmbH & Co.KG 2012 und die ELB-LINK Reederei GmbH im Jahr 2015 neu an.

Durch den Ausbau der Hafeninfrastruktur wurden den ansässigen  Mittelstandsunternehmen ganz neue Zukunftsperspektiven am Markt eröffnet. Unternehmen wie die Otto Wulff GmbH, die Bremer Reederei oder auch das Offshore Safety Trainingscenter seien beispielhaft genannt. Auch die Investitionen im Bereich des Tourismus, dem zweiten großen Standbein Cuxhavens, haben dazu geführt, dass Cuxhavener Gastronomie- und Beherbergungsunternehmen ihr Angebot den Marktansprüchen angepasst bzw. auch erweitert haben. Gleichzeitig hat es auch im Bereich des Tourismus Neuansiedlungen gegeben. Kurz gesagt: Cuxhaven ist dank Offshore-Windenergie, Tourismus und maritimer Wirtschaft auf einem guten Weg.

Die Stadt Cuxhaven wurde 2016 von Amanda Pur | Kunst + Wirtschaft als Kommune des Jahres  vorgeschlagen.

Dr. Ulrich Gretsch, Obergürgermeister (Foto: Oskar-Patzelt-Stiftung, Boris Löffert)

Dr. Ulrich Gretsch, Obergürgermeister (Foto: Oskar-Patzelt-Stiftung, Boris Löffert)