Wettbewerbsregion Schleswig-Holstein/Hamburg

(11.05.2012)
P.T. Sonderausgabe 1/2012

Schleswig-Holstein ist mit 2,8 Millionen Einwohnern das zweitkleinste Flächenland und Hamburg mit 1,8 Millionen Bürgern die zweitgrößte Stadt Deutschlands mit der großen Vergangenheit der Hanse als erster Wirtschaftsverbund Deutschlands. Manche wirtschaftswissenschaftlichen Prognosen meinen, dass die städtischen Regionen Europas künftig eine größere Rolle spielen werden.

Deshalb wurde auch bereits diskutiert, ob nördliche Bundesländer sich besser zu einem Nordstaat zusammenschließen sollten. Es gibt starke und wichtige Ansätze in einigen norddeu­tschen Bundesländern, die Zusammenarbeit zu verbessern.  Der Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ will diese kooperative Grundhaltung unterstützen: Hier bilden Schleswig-Holstein und Hamburg zusammen die nördlichste der zwölf Wettbewerbsregionen.

Impuls aus Hamburg

Einer der berühmtesten Hamburger ist der Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Natürlich war auch Helmut Schmidt schon mal Schirmherr des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“, und zwar vor genau 10 Jahren, im Jahr 2002. Seine Unterstützung gab den Organisatoren der Stiftung den entscheidenden Impuls, den Wettbewerb ab 2003 in ganz Deutschland auszuschreiben.

Der erste Preisträger aus dieser Region war im Jahr 2004 die 1995 gegründete m-u-t aus Wedel, damals nominiert durch die Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein GmbH. Der Hersteller von Messgeräten für Medizin- und Umwelttechnik produziert für die Bereiche Spektroskopie, Laborautomation, Medizintechnik, Brandfrüherkennung und Luftfahrtsicherheit. 2007 kam mit dem Börsengang der Durchbruch. Die m-u-t AG ist heute eine Firmengruppe hochinteressanter Unternehmen, solide finanziert, straff organisiert und mit einem klaren Zukunftskonzept.

100-Marke geknackt

Erstmals wurde im Wettbewerbsjahr 2012 die 100er-Marke bei der Zahl nominierter Unternehmen durchbrochen. Erstmals nominiert wurde die WEL Fonds Verwaltungs GmbH mit Sitz in Hamburg. Der WEL Fonds ist Teil eines großen Puzzles um das Wachstum erneuerbarer Energieformen und Umwelttechnologien zu beschleunigen. An der Spitze des Fondsmanagements steht die geschäftsführende Gesellschafterin Ute Seehaus. Der WEL Fonds vereint die Vielschichtigkeit von Klimawandel, Rohstoffknappheit und Ökologie in einer einzigartigen Kapitalanlage, um das Wachstum erneuerbarer Energieformen und Umwelttechnologien zu beschleunigen. Doch nicht nur Newcomer und modernste Industrien, sondern auch Klassiker“ gehören zum Portfolio gesunder mittelständischer Wirtschaftsstruktur im Norden unserer Republik. Wer in der Metropolregion Hamburg kennt nicht Budnikowsky?

Bunter Branchenmix

1912 als Bandagengeschäft gegründet, wechselte Iwan BUDNIKOWSKY das Metier und wurde Seifengroßhändler mit der Idee: Den Menschen Hygieneprodukte zu günstigen Preisen anzubieten. 2011 feierten die 1.900 Mitarbeiter und 46 Auszubildenden bereits die Auszeichnung als Finalist des Wettbewerbs.

Einige der bisherigen Preisträger der Region kommen aus der „old economy“: die 1927 gegründete innovative EDUR-Pumpenfabrik Eduard Redlien GmbH & Co. KG aus Kiel, die 1897 gegründete Queisser Pharma GmbH, deren Marke Doppelherz® Energie-Tonikum überall bekannt ist, die höchst moderne Gebr. Friedrich GmbH & Co.KG Schiffswerft, oder die 1885 gegründete Mankenberg GmbH aus Lübeck, deren Mankenberg-Ventile legendär sind.

Handwerk ohne Grenzen

Manchmal führen nur Umwege zum Ziel. Der Zimmerer Wolfgang Raddatz musste seinen Meisterbrief in Schwerin machen, weil Lübeck ursprünglich nicht erkannte, dass dieser Mann mit dem „Norddeutschen Handwerkerring“ sogar die Kompetenz mehrerer Betriebe zu bündeln vermochte. 2000 gründete er den eigenen Betrieb mit einer einzigartigen Kombination von klassischem Handwerk und Dienstleistung. Barrierefreies Bauen und Wohnen wurde mit dem demographischen Wandel zu einem besonderen Schwerpunkt. Nachdem er in fünf Jahren Umsatz und Beschäftigungszahl auf 17 Beschäftigte verdreifachte, wurde er 2006 als Preisträger ausgezeichnet. Ein Mutmacher ist auch die erst 1997 gegründete Vater Gruppe, heute mit 260 Beschäftigten einer der führenden IT-Dienstleister im Norden Deutschlands.

Der Gründer Klaus-Hinrich Vater wurde von der Vollversammlung der IHK Kiel zum Präsidenten und sogar zum Vorsitzenden der IHK Nord gewählt. Die Unternehmensgruppe wurde im Wettbewerbsjahr 2012 zur Auszeichnung als „Premier“ nominiert.

Vor Ort aktiv

Die „gute Seele“ der Oskar-Patzelt-Stiftung vor Ort im Norden ist Gisela Heumann, die Komplementärin der CreArte KG change management aus Schönkirchen. Seit mehreren Jahren leitet sie die regionale Servicestelle der Oskar-Patzelt-Stiftung als Ansprechpartner für Firmen und Kommunen bei allen Fragen rund um den Wettbewerb und arbeitet auch als eine von über 100 Juroren und Jurorinnen in den vierzehn Jurys des Wettbewerbs mit.

Das 11. Erfolgsgeheimnis

Warum sich gute Firmen durchsetzen, immer wieder an radikal veränderte Marktbedingungen anpassen können, und deshalb letztlich auch in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden, kann man in den Biographien der Wettbewerbsteilnehmer aus dem Norden ­finden.

Unbedingte Qualität

Das beginnt bei der strategischen Planung und setzt sich durch alle Vorbereitungs- und Fertigungsprozesse fort. Null-Fehler-Toleranz im Umgang mit dem Produkt, dem Kunden, dem Kollegen, dem Team – so kann man Innovationen durchsetzen und unvermeidbare Krisen bewältigen.
Gewinner nutzen alle Instrumente, die bei der Qualitätssicherung helfen können. Zertifizierungen und kontinuierliche Verbesserungsprozesse sind hier keine Sonntagsbeschäftigung, sondern Alltag.

(Foto: NASA)

Die Schiffswerft Gebr. Friedrich baute das erste in Deutschland nach GL-Richtlinien zugelassene schwimmende Haus (Foto: living-on-water)