Wettbewerbsregion Nordrhein-Westfalen

(07.05.2012)
P.T. Sonderausgabe 1/2012

Mit rund 17,8 Millionen Einwohnern ist Nordrhein-Westfalen das bevölkerungsreichste, flächenbezogen mit 34.080 km2 das viertgrößte deutsche Land. 29 von 80 deutschen Großstädten liegen hier. Der Ballungsraum Rhein-Ruhr im Zentrum des Landes ist mit rund zehn Millionen Bewohnern eine der 30 größten Metropolregionen der Welt und zentraler Teil eines europäischen Verdichtungsraumes. Größte und älteste Stadt ist Köln.

Fortgeschrittener Strukturwandel

In Nordrhein-Westfalen fiel der Strukturwandel regional sehr unterschiedlich aus. Auch wenn immer noch Teile des alten Reviers hohe Arbeitslosenzahlen aufweisen, ist der Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft in den industriellen Kernen insgesamt in den letzten Jahrzehnten weit fortgeschritten. Die Firmen, die Menschen, die Verwaltungen wollten diesen Strukturwandel gewinnen. Sie wollten Innovationstreiber sein. Einhergehend mit der zentralen Lage im wichtigsten europäischen Wirtschaftsraum, der hohen Bevölkerungsdichte, der starken Urbanisierung, der zahlreichen Wirtschaftsstandorte weist Nordrhein-Westfalen eines der dichtesten Verkehrsnetze weltweit auf. Auch das ist eine der guten Voraussetzungen für weiteren Aufschwung.

Eine enge Zusammenarbeit

Seit dem Jahr 2004 findet eine der jährlich drei regionalen Auszeichnungsgala der Oskar-Patzelt-Stiftung in NRW statt. Ursprünglich in Köln, später, nach Fertigstellung des neuen Maritim-Hotel am Düsseldorfer Flughafen, in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Mit NRW verbindet die Stiftung seitdem eine enge Zusammenarbeit. Die Wirtschaftsminister Harald Schartau, Christa Thoben und Harry Voigtsberger waren Schirmherren des Wettbewerbs für Nordrhein-Westfalen. Vor Ort als regionale Servicestellen der Oskar-Patzelt-Stiftung sind in der Region Münsterland Manfred Lingnau und Frank Goerlich, für die Region Mittlerer Niederrhein Wolfram Kuhnen, für die Region Essen Marina Heuermann, für die Region Paderborn Peter Staudt und Udo Wiemann, für Köln/Bonn Gregor Angerhausen und Christine Lötters.

Wachstumsmotor und Jobmaschine

Mehr als 450 Akteure aus dem Essener Wirtschaftsleben, der Politik und Verwaltung begrüßte die EWG – Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH am Nachmittag des 7. Juni 2011 im Colosseum Theater Essen. Anlass dazu bot der Essener Mittelstandsempfang 2011, auf dem jährlich die von der Stadt Essen zum Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ nominierten Unternehmen öffentlich vorgestellt und ein separate Urkunde überreicht bekommen. Die Veranstaltung rief die Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Jahr 2008 ins Leben. Seitdem findet sie jährlich statt und ist mittlerweile in Essen eine feste Institution geworden. Unterschiedlich sind jedoch die Themen der Veranstaltung. Das diesjährige Motto des Mittelstandsempfangs lautet "Dynamik schafft Zukunft". So eröffnete der Essener Oberbürgermeister Reinhard Paß die Veranstaltung auch mit der klaren Botschaft: "Mittelständische Unternehmen sind Wachstumsmotor und Jobmaschine. Sie sind Eckpfeiler für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Essen. Es sind insbesondere mittelständische Unternehmen, die investieren, die Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Deshalb verdienen sie unsere besondere Aufmerksamkeit. Bei der Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes wollen Stadt und EWG daher die Belange des Mittelstandes noch stärker in den Fokus rücken."

"Energie", "Werkstoffe" und "Logistik"

Auch Dr. Werner Kreuz von der Unternehmensberatung A.T. Kearney bescheinigte dem Essener Mittelstand eine hervorragende Innovationskraft. Die Metropole Ruhr hat in den drei Zukunftsindustrien "Energie", "Werkstoffe" und "Logistik" herausragendes Potenzial und Kompetenzen, von denen der Mittelstand auch im sich wandelnden globalen Umfeld profitieren kann. Der Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Dr. Dietmar Düdden, wies in seinen sich anschließenden Ausführungen darauf hin, dass die 12.600 kleinen und mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetriebe das wirtschaftliche Rückgrat von Essen bilden. Sie beschäftigen rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer, 83 Prozent der Auszubildenden und schaffen die meisten neuen Arbeitsplätze in Essen.

Herausragende Firmen

Herausragende Firmen wurden in den letzten Jahren ausgezeichnet. Manche von ihnen sind dieses Jahr zur Auszeichnung als „Premier“ nominiert, so der Antriebsspezialist AS Drives & Services GmbH aus Reken, der „Landwirtschaftsrevolutionär“ BETEBE GmbH aus Vreden, der global agierende Mittelständler cph Deutschland Chemie GmbH aus Essen, der Krankenhaus-Dienstleister Discher Technik GmbH aus Haan-Gruiten, die hochinnovativen eks Engel GmbH & Co. KG aus Wenden-Hillmicke, die MAPROM GmbH aus Höxter, die Masterflex AG aus Gelsenkirchen, die Merschbrock-Wiese Gewürz GmbH aus Rietberg, die Müller-Elektronik GmbH & Co. KG aus Salzkotten, der revolutionäre Energiesparer ONI-Wärmetrafo GmbH aus Lindlar und Europas Marktführer als Groß- und Versandhandel für Schreinereibedarf, die Rudolf Ostermann GmbH aus Bocholt mit ihrer Chefin Dagmar Daxenberger. Bedeutende Preisträger der letzten zehn Jahre, die einen ungeheuren Aufschwung genommen haben, sind zum Beispiel der Stahlbauer Goldbeck GmbH aus Bielefeld, der Automotive-Spezialist paragon AG aus Delbrück, der Solarchampion SolarWorld AG aus Bonn, die Teamwork - Die Büttgen GmbH aus Lohmar oder der Aluminiumhersteller TRIMET ALUMINIUM AG aus Essen.

Auf der Suche nach den Besten

346 Unternehmen wurden dieses Jahr nominiert. Mehr als 200 Institutionen, Firmen und Bürger beteiligten sich an der Suche nach den Besten. Darunter zum Beispiel BAAR-Business Angels Agentur Ruhr e. V., bbi - Bundesverband der Baumaschinen-, Baugeräte- und Industriemaschinenfirmen e.V., die Bezirksregierungen Düsseldorf und Münster, Bundesverband IT-Mittelstand e.V., die Direkt Marketing Center der  Deutsche Post AG in Aachen, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Köln, Münster, Siegen, der DRSB e.V., die Fachhochschule Gelsenkirchen, die Gemeinden Ledgen, Lindlar, Reken, die Handwerkskammer Münster, der Hochsauerlandkreis, der Oberbergischer Kreis, der Kreis Düren, die IHK Bonn/Rhein-Sieg und IHK Nord Westfalen, Abgeordnete des Landtages Nordrhein-Westfalen und des Bundestages, die Städte Ahaus, Attendorn, Bad Oeynhausen, Bocholt, Bonn, Borken, Datteln, Dortmund, Dülmen, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Haan, Köln, Langenfeld, Lennestadt, Lüdenscheid, Medebach, Rhede, Sendenhorst, Siegen, Vreden, Willich, die Stadt-Sparkasse Haan, die Volksbank Gronau-Ahaus eG, die Wirtschaftsförderungen Coesfeld, Düsseldorf,  Kreis Soest, Münster, Steinfurt, Borken und Lünen.

Die Kraft des Mittelstandes

Beispielhaft für die Kraft des Mittelstandes ist die Essener TRIMET AG. Erst 1985 mit drei Mitarbeitern als Metallhandelshaus gegründet, hat sich das Familienunternehmen TRIMET dynamisch zum Aluminiumproduzenten und -verarbeiter weiterentwickelt. Gründer Heinz-Peter Schlüter startete 1993 mit der industriellen Fertigung, übernahm mehrere Metallwerke und Aluminiumhütten, die andere geschlossen hatten und er sicherte Arbeitsplätze, die andere aufgegeben hatten. Er wurde so zum größten Aluminiumproduzenten Deutschlands. Die TRIMET Aluminium AG wurde 2010 und 2011 durch die EWG - Essener Wirtschaftsförderungsges. mbH und den Landkreis Sömmerda für den Wettbewerb nominiert. 2010 erfolgte die Auszeichnung als „Finalist“.

Von 50 Institutionen nominiert

Zur Auszeichnung als „Premier-Kommune des Jahres“ wurde die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH aus Ahaus nominiert. Und zwar von insgesamt mehr als 50 (!) verschiedenen Institutionen und Firmen. Wer so oft vorgeschlagen wird, der muss wahrlich einen guten Stand haben. Beispielhaft sei hier die Nominierungsbegründung des Bundestagsabgeordneten Johannes Röring genannt: „Ich nominiere die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH (WFG), weil die WFG einen wertvollen und unverzichtbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung unserer früher sehr einseitig strukturierten Region geleistet hat und leistet. Mit ihren Geschäftsfeldern Gründungsberatung, Betriebsberatung, Innovationsberatung, Standortmarketing, Infrastruktur und Netzwerkarbeit ist die WFG kundenorientiert und bedarfsgerecht aufgestellt, sie ist eine zentrale Einrichtung zur Regionalentwicklung. Sie genießt in Wirtschaft, Politik und Verwaltung einen hervorragenden Ruf. Sie ist serviceorientierte Anlaufstelle für die Wirtschaft und Entwicklungsagentur für das Westmünsterland. Das WFG-Team ist jederzeit hilfsbereit und ausgesprochen fleißig. Ich halte die WFG für unbedingt preiswürdig.“

Weitblick und Biss

Zu den Nominierten 2012 gehört aus Gronau die URENCO Deutschland GmbH, die mit fortschrittlicher Technologie Unrananreicherung für Kernkraftwerke in aller Welt anbietet. „Hervorragend aufgestelltes Unternehmen mit dem nötigen Weitblick und Biss. Sollte unbedingt im Wettbewerb verbleiben. Ist unverdient Opfer der "Energiewende" und hat doch riesiges Innovationspotential über Deutschland hinaus“ wird die Nominierung begründet. Zum Kreis der Nominierten gehört auch die Full-Service Agentur im Bereich der audiovisuellen Medien AlphaPeg Media GmbH aus Bonn. Dazu gehört Bosse Design aus Höxter, die Gesellschaft für innovative Interiors. Ob Stühle, Tische, Systemmöbel oder Raum-in-Raum-Lösungen: Kunden erhalten alles aus einer Hand. Und zwar weltweit. Wer will sucht Wege, wer nicht will sucht Gründe – das ist das Motto der Unternehmensgruppe Kögel,  einem inhabergeführtes Bauunternehmen im Bereich Hoch-, Tief-,Ingenieur- und SF-Bau sowie Bausanierung und Rohrleitungsbau aus Bad Oeynhausen, die 2011 mit der Bestnote A+A+A+A+A+ im OPS-Rating als Finalist ausgezeichnet wurde.

Das 7. Erfolgsgeheimnis

Es gibt in einer Marktwirtschaft nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist man Getriebener oder man treibt selbst. Das gilt vor allem beim schillernden Thema „Innovationen“. Auch die schnellsten Erfinderwerkstätten haben nie ewig die Nase vorn. Immer gibt es andere, die auf einen rollenden Zug aufspringen. Unternehmen, die auf den technologischen Wandel vorbereitet sind oder diesen sogar selbst mit antreiben, sind stets im Vorteil. Das reicht von Patentanmeldungen in forschenden und produzierenden Unternehmen bis zur Nutzung moderner Rationalisierungsmaßnahmen im Handwerksbetrieb oder beim Dienstleister. Das Aufgreifen moderner Instrumentarien und die Modernisierung aller Abläufe und Prozesse werden als unverzichtbare Führungsaufgabe gesehen.

Innovationstreiber sein wollen

Im Unternehmen weiß man, dass jeder Erfolg immer nur ein Erfolg auf Zeit ist. Die Mitarbeiter werden deshalb zur Forschung und Entwicklung, zur Modernisierung und Verbesserung ermutigt. Im Vordergrund stehen  Produktentwicklungen und neue Märkte, es geht aber auch um Kosteneinsparungen und Material- und Prozessverbesserungen.

Der Posttower in Bonn (Foto: Wikimedia/CC2.5/André Karwath)

Blick über Köln

(Foto: ONI-Wärmetrafo GmbH)