Wettbewerbsregion Niedersachsen/Bremen

(06.05.2012)
P.T. Sonderausgabe 1/2012

Wer Niedersachsen hört, denkt zuerst an Volkswagen. Kein Wunder: der Autohersteller ist der größte Arbeitgeber in der Region um Wolfsburg. Doch der Erfolg des Unternehmens der „Autostadt“ ist nicht typisch, er ist untypisch. Der typische Mittelständler verfügt weder über staatliche Starthilfe, noch das damit verbundene Gründungs- und Sicherheitskapital. Er muss sich selbst durchbeißen. Firmen, die zum Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ nominiert sind, haben solche Aufbau-Zeiten erlebt. Manchmal mehrfach hintereinander, in jeder Unternehmergeneration neu. Bleiben wir zunächst in der Landeshauptstadt Hannover. Von hier kamen bereits eine Reihe wichtiger Persönlichkeiten: Ein erfolgreicher Bundeskanzler Gerhard Schröder, ein nicht ganz so erfolgreicher Bundespräsident Christian Wulff, und bereits im Jahr 2005 eine Preisträgerin des Wettbewerbs: Tina Voss, eine Pionierin auf dem Gebiet der Zeitarbeit, die ihre Firma 1995 gründete und zum Mitglied des Präsidiums der IHK Hannover gewählt wurde. Auch im Jahr 2012 sind sechs Firmen aus Hannover zum Wettbewerb nominiert, unter anderem die 2004 gegründete AS Solar GmbH.

Gemeinsam stark

Seit Jahren wird regelmäßig ein Zusammenschluss der Länder Niedersachsen und Bremen ins Gespräch gebracht, was jedoch in Teilen der Bevölkerung traditionell auf Ablehnung stößt. Die Oskar-Patzelt-Stiftung geht hier voran: Im Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ bilden Niedersachsen und Bremen gemeinsam eine der zwölf Wettbewerbsregionen. Und auch in den Stadtstaat Bremen gingen bereits Auszeichnungen: 2007 der „Finalist“ an die Bremer Hachez Chocolade GmbH & Co. KG, 2009 der Sonderpreis „Dialogmarketing“ der Deutschen Post AG an die Söffge GmbH & Co. KG Büro-, Gebäude- und Treppenhausreinigung. Sieben Bremer Unternehmen sind dieses Jahr nominiert, darunter die H.-J. Fiedler Meeresdelikatessen GmbH. Außergewöhnlich ist die Gruppe der rund 20 Unternehmen der Bremer Heimstiftung, die seit über 500 Jahren vorbildliches Unternehmertum, kombiniert mit "dem Herz am richtigen Fleck", vorleben.

Hunderte Vorbilder

2007: 170, 2008: 160, 2009: 162, 2010: 186, 2011: 116, 2012: 161 – Das ist die Zahl der Firmen, die in den letzten Jahren aus der Wettbewerbsregion Niedersachsen/Bremen zum Wettbewerb nominiert worden. Jedes Jahr Hunderte Vorbilder für unternehmerisches Engagement. Firmen, die ihrer sozialen Verantwortung schon nachkamen, bevor die Sozialwissenschaftler aus Amerika den Begriff Corporate Social Responsibility übernahmen. Firmen, die sich als ehrbare Kaufleute, innovativ, solide, zukunftsoptimistisch und am Menschen orientiert verstehen. Dutzende Kommunen und Institutionen griffen den Aufruf zur Nominierung auf, verbanden damit auf einfachste Weise Wirtschaftsförderung mit Regionalmarketing, zum Beispiel der Landkreis Rotenburg (Wümme), die Agentur für Wirtschaftsförderung Cuxhaven, die Braunschweig Zukunft GmbH oder Städte wie Haselünne und Achim.

Erfolg muss erfunden werden

Schaut man sich Preisträger der letzten Jahre aus Niedersachsen/Bremen an, besticht deren systematisches Innovationsmanagement. Da ist die AutoGyro GmbH aus Hildesheim mit ihrem Tragschrauber, die Turm-Sahne GmbH aus Oldenburg mit leckeren Produkten für die Kaffeetafel, die Trinos Vakuum Systeme GmbH aus Göttingen mit Hoch- und Ultrahoch-Vakuumanlagen für High-End Anwendungen in Industrie und Forschung, die Indula GmbH aus Katlenburg-Lindau mit ihrem Bottle-Print-Patent, die HKS Gruppe aus Hardegsen mit modernsten Sicherheitstechniken und -dienstleistungen, die HAUTAU GmbH aus Helpsen, die sich vom kleinen Handwerksbetrieb zum  bedeutenden Unternehmen der Schloss- und Beschlagindustrie entwickelte oder die inzwischen zum Premier nominierte Ulrich Walter GmbH (Lebensbaum) aus Diepholz.

Wir sind nicht Volkswagen!

Der unternehmerische Mittelstand in Niedersachsen/Bremen kann sich weder auf den Staatsauftrag noch auf Staatsfinanzierung verlassen wie Volkswagen vor 80 Jahren, aber auf seine Partner in den Kommunen, Landkreisen und regionalen Kreditinstituten. Überall dort, wo diese Partnerschaft ehrlich und ziel­orientiert funktioniert, prosperieren die Regionen – zum Wohle der Bürger. 2009 wurde der Landkreis Göttingen für vorbildliches Wirken als „Kommune des Jahres“w ausgezeichnet. In diesem  Jahr sind die Stadt Norden und der Landkreis Northeim für diesen Preis nominiert.Bereits als Finalist ausgezeichnet wurden unter anderem folgende Nominierte dieses Jahres: Wurst Stahlbau GmbH aus Bersenbrück, Autohaus Hopp GmbH aus Steyerberg oder das Hotel Romantischer Winkel in Bad Sachsa. Vor Ort aktiv sind die regionalen Servicestellen der Oskar-Patzelt-Stiftung: Jens Wucherpfennig in Göttingen, Detlef Kahrs in Bremen und Diethelm Heinen in Hannover.

Das 6. Erfolgsgeheimnis

Niedersachsen/Bremen hat nicht die Attraktivität einer Millionenstadt und nicht den industriellen Reichtum des Ruhrgebiets. Hier musste man zusammenhalten und schuf eine eng verflochtene Region mit städtischem Charakter. Nicht umsonst sind zwei der elf deutschen „Metropolregionen“ in dieser Wettbewerbsregion beheimatet: Bremen/Oldenburg und Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg. Das ist das Erfolgsgeheimnis der Region und seines Mittelstandes:

Fest verwurzelt in der Region

Das heißt Bodenhaftung behalten. Denken und Handeln nicht gegeneinander, sondern miteinander. Das heißt Bewahrung der Tradition und behutsame Fortentwicklung der Umstände. Das heißt, die Region und ihre Menschen als Mittelpunkt begreifen und sich selbst als verantwortlichen Teil eines Ganzen aufstellen. Mittelständischer Alltag eben. Erfolgsrezept.

(Foto: Deutsche Messe AG)