Wettbewerbsregion Baden-Würt­temberg

(01.05.2012)
P.T. Sonderausgabe 1/2012

Baden-Württemberg im Südwesten Deutschlands zählt zu den wirtschaftsstärksten und wettbewerbsfähigsten Regionen Europas. Nach Einwohnerzahl und Fläche steht es im Größenvergleich an dritter Stelle der deutschen Länder. Insbesondere im Bereich der industriellen Hochtechnologie sowie Forschung und Entwicklung gilt Baden-Württemberg als die innovativste Region der EU.

Wohlhabendere Region

Jahrzentlange solide Arbeit in der Fläche wie in den Ballungsräumen hat Baden-Württemberg zu den wohlhabenderen Regionen der EU aufschließen lassen. Die Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent (September 2011) ist nach Bayern die zweitniedrigste in Deutschland. Sie ist dabei in den eher ländlich geprägten Regionen traditionell niedriger als in den Städten. Das hat einen einfachen Grund: In den Regionen gibt es einen starken Mittelstand, der unbeirrt von Struktur- und Weltwirtschaftskrisen innovativ ist und Arbeitsplätze schafft.
Und es gibt quer über die Parteien eine hohe Übereinstimmung in der Einsicht, dass dieser Mittelstand, egal ob industriell oder in Handwerk oder Dienstleitung, gefördert werden muss. So schafft man Arbeitsplätze. So stabilisiert man das Leben im Lande.

Höchster Industrieanteil am BIP

Baden-Württemberg ist das deutsche Bundesland mit dem höchsten Anteil der Industriebeschäftigten und dem höchsten Industrieanteil am BIP. Die international hohe Wettbewerbsfähigkeit der Industriebranchen des Landes wird maßgeblich durch hohe Forschungsleistungen der Unternehmen begünstigt. Der Wirtschaftsanteil an Forschung und Entwicklung beträgt kontinuierlich drei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die drei nach Beschäftigtenzahlen wichtigsten Branchen sind die Maschinenbauindustrie, der Fahrzeugbau und die Herstellung von Metallerzeugnissen.

Nicht allein die großen Konzerne

Mit der Oskar-Patzelt-Stiftung verbindet das Land eine jahrelange Zusammenarbeit. Im Jahr 2007 wurde der Vertreter des Landes Baden-Württemberg beim Bund, Minister Prof. Dr. Wolfgang Reinhart, Mitglied des Präsidiums der Oskar-Patzelt-Stiftung. "Der Mittelstand trägt mit seiner Flexibilität und Kundennähe, mit Mut, Können und Kreativität erheblich zum Wirtschaftswachstum bei", erklärte Minister Prof. Dr. Wolfgang Reinhart. "Es sind nicht allein die großen Konzerne, die den Ton angeben. Im Gegenteil - es ist auch der Mittelstand", betonte der Minister. Der Mittelstand ist mit seinen rund 3,5 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen und Selbstständigen in Handwerk, Handel, Industrie, im Dienstleistungsbereich und den Freien Berufen "die tragende Säule unserer Volkswirtschaft" und "der Motor unserer Wirtschaft".

433 Firmen nominiert

Für das Jahr 2012 nominierten über 100 Institutionen, Kommunen, Bürger insgesamt 433 Firmen zum Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“. Unter den Nominierenden sind zum Beispiel Kammern wie die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, IHK Bodensee-Oberschwaben oder die IHK Reutlingen, die Handwerkskammer Reutlingen und die Handwerkskammer Ulm, mehrere Direkt Marketing Center der Deutschen Post AG zum Beispiel in Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart, die Kommunen Brühl, Bruchsal, Grenzach-Whylen, Nordrach, Hardheim-Walldürn, Geislingen an der Steige, Göppingen, Tuttlingen, Furtwangen im Schwarzwald, Gerlingen, Mengen, Meßstetten, Mössingen, Pfullingen, Rastatt,  Riedlingen, Schwäbisch Hall, Staufen im Breisgau, Tübingen, Waldkirch, Wertheim, Zell am Harmersbach. Land- und Stadtkreise wie Stuttgart, Bodenseekreis, Esslingen, Karlsruhe, Konstanz, Ludwigsburg, Reutlingen, Schwäbisch-Hall oder der Main-Tauber-Kreis. Abgeordnete des Landtages beteiligten sich ebenso wie Unternehmen oder zum Beispiel der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden e.V.Vor Ort als regionale Servicestelle der Oskar-Patzelt-Stiftung aktiv sind für die Regionen Heilbronn-Franken und Rhein-Neckar Dr. Andreas Schumm, für die Region Stuttgart Bernhard Klenk, für die Region Ortenau Rolf Jürgen Vogt, für die Region Karlsruhe Alois Fleig und für Mannheim Uwe Schumann.

Nominiert im Ländle

Natürlich sind im „Ländle“ jede Menge hochinteressanter Mittelständler seit 2003 auch im Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ nominiert und ausgezeichnet worden. Zu erwähnen sind hier unter anderem  die EROGLU Präzisionswerkzeuge GmbH aus Mössingen, die FAUDE Group aus Gärtringen, die Fessler Mühle aus Sersheim, die 2007 als Premier ausgezeichnete hilzinger GmbH Fenster + Türen aus Willstätt, die 2011 als Premier-Finalist geehrte Michael Koch GmbH aus Ubstadt-Weiher, die PLANAT GmbH aus Ostfildern, die VOLLMER WERKE Maschinenfabrik GmbH aus Biberach, die Waldkircher Orgelbau Jäger &­ Brommer aus Waldkirch oder die WSS AKTIV BERATEN aus Rottweil.

Bestmögliches OPS-Rating

Wolfgang Bachleitner hatte die Idee, mit PC-kompatiblen Baugruppen eine An­zeigeneinheit für den Führerstand einer Lokomotive zu entwickeln, d.h. die Vielfalt und Menge der notwendigen Analog-Einzelinstrumente auf einer Anzeigeeinheit mit übersichtlicher Darstellung auf einem LCD-Display zu realisieren. Mit Gunther Heugel fand er einen Partner und gründete 1991 die Bachleitner & Heugel Elektronik OHG. Sie waren die ersten, die ein Farbdisplay zur Steuerung eines Schienenfahrzeugs entwickelten und produzierten. Dieser Prototyp wurde im "Eurosprinter" der Fa. Siemens eingesetzt, aus dem sich später die Lok BR189 entwickelte. Diese Anzeigengeräte verdrängten die analogen Einzelinstrumente kontinuierlich. 2010 wurde Bachleitner und Heugel mit dem bestmöglichen OPS-Rating A+A+A+A+A+ als Preisträger ausgezeichnet.

Ein begehrter Arbeitgeber

Die Endress+Hauser Conducta GmbH + Co. KG aus Gerlingen ist ein mittelständisches Unternehmen, das im Bereich der Mess- und Regeltechnik tätig ist. Für alle Arten von Flüssigkeiten werden sehr innovative, technisch hoch komplexe Lösungen weltweit angeboten, die hauptsächlich in Gerlingen entwickelt werden. Das Unternehmen investiert sehr viel in den Betriebssitz Gerlingen und in die Qualifikation und Führung der Mitarbeiter. Deshalb ist das Unternehmen ein begehrter Arbeitgeber. Die Anstrengungen sind bereits preisgekrönt: 2005 als Preisträger und 2010 als Premier-Finalist beim „Großen Preis des Mittelstandes“, dieses Jahr – nachdem auch der Ludwig-Erhard-Preis „abgeräumt“ wurde, nominiert zum Premier.

Engagement gegen Fachkräftemangel
Die Innovationskraft des Mittelstandes wird zum Beispiel auch in folgender Nominierungsbegründung deutlich: „Die Aberle Automation GmbH & Co. KG hat 2011 ein Software Tool entwickelt, das im Einsatz von Automationssystemen während der Anlagenplanung unter realen Bedingungen und Berücksichtigung spezifischer Prozesseigenschaften der Fördertechnik simuliert werden kann. Mit diesem Tool werden sich Planungs- und Inbetriebnahmezeiten künftig deutlich verringern, während Effizienz und Sicherheit der Anlagen weiter steigen. Die Aberle Group hat dies mit ihren 185 Mitarbeitern umgesetzt und dabei zugleich Ihr Engagement gegen den Fachkräftemangel weiter ausgebaut.“

Im Einklang mit der Natur

Respekt und Anerkennung vor mittelständischer Unternehmerkraft kommt auch in folgender Nominierung zum Ausdruck: „Als innovativer Marktführer im Raum Stuttgart und Ludwigsburg kann STRENGER Bauen und Wohnen GmbH auf fast 30 Jahre Firmengeschichte zurückblicken, in denen die Firmengruppe über 5.000 Wohnträume erfüllt hat. STRENGER ermöglicht individuelles Wohnen und Leben auf einer nicht alltäglichen Basis. Ökologisch, das heißt im Einklang mit der Natur und mit modernster Umwelttechnik, in der Verbindung von gutem Wohngefühl mit einer herausragenden Architektur und Landschaftsplanung. Mit dem Sechs-Firmen-Konzept ist STRENGER in der Lage, alle Leistungen rund um Immobilien aus einer Hand anzubieten..“

Der Weltmeister der eleganten Kurve

Was Preisträgern passieren kann, sieht man am Beispiel PARAVAN: Luigi Colani ist "der Weltmeister der eleganten Kurve", der international bekannte Designer und Aerodynamiker, der Künstler und Kaufmann, der schon in den 50er Jahren verstand, dass man mit Industriedesign Geld verdienen kann und das Firmen, die auf Design setzen, Wettbewerbsvorteile schaffen. Er arbeitete für die NASA wie für Weltfirmen oder für Mittelständler.

Auf dem Weg nach Mailand, wo er Russ­lands Pavillon für die Weltausstellung 2015 entwirft, besuchte Colani zum ersten Mal die Ideenschmiede PARAVAN, die sich auf die individuelle Entwicklung von behindertengerechten Fahrzeugen spezialisiert hat. „Da sitzt eine kreative Bande hier in dieser wunderschönen Landschaft, die der ganzen Welt die Wurst vom Brot holt!“ Solch euphorisches Lob hatten die PARAVANer nicht erwartet. Schließlich ist Colani in fast allen Erdteilen überall dort zuhause, wo es um Innovation und Mobilität geht, um chinesische Hochgeschwindigkeitszüge und brasilianische Tanker.

Das schärfste Sportautomobil der Welt

Es funkte zwischen dem inzwischen 83-jährigen Luigi Colani, der immer noch agil und dynamisch wie ein junger Mann wirkt, und Paravan-Chef Roland Arnold mit seinen 120 Mitarbeitern.  Er arbeitet zum Beispiel am "schärfsten Sportautomobil der Welt". 600 km/h schnell, nur einem Meter hoch. Der Fahrer muss sich über einen mobilen Sitz ins Cockpit fädeln. Und dieser Sitz kommt - von Paravan, der Mittelständler, der 2009 als Finalist und 2011 als Preisträger des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" ausgezeichnet wurde.

Miteinander vorwärts gehen

Das baden-württembergische Erfolgsgeheimnis ist „miteinander vorwärts gehen, sich helfen, sich keine Steine in den Weg legen sondern Wege in die Zukunft ebnen.“

Diesem Zweck dienen Sparkassen und die VR-Banken. „Zweck der Anstalt ist es, unbemittelte oder ärmere, selbstständige oder unselbstständige im Bezirk lebende Personen durch Verzinsung selbst kleinerer Einlagen zur Ansammlung von Ersparnissen, die außerdem leicht nutzlos verwendet oder vergeudet würden, zu veranlassen.“

Mit diesem Vorsatz wurde am 1. Januar 1851 die Errichtung einer Oberamts-Sparkasse in Ludwigsburg beschlossen. 160 Jahre später wird Nähe zum Kunden bei der Kreissparkasse Ludwigsburg immer noch großgeschrieben. Mehr als 100 Filialen, moderne Center für Immobilien, Private Banking, Unternehmens-, Firmen- und Gewerbekunden sowie eine Versicherungsagentur stehen den Kunden für persönlichen Service zur Verfügung. Damit verfügt die Kreissparkasse über das dichteste Filialnetz im Kreisgebiet. Mit knapp 9,4 Mrd. Euro Bilanzsumme und knapp 1.800 Mitarbeitern ist sie die zweitgrößte Kreissparkasse Deutschlands.

Maximale Lebensqualität statt maximaler Gewinn

Für die Kunden der Kreissparkasse Ludwigsburg gab es auch in der Krise keine Kreditklemme. 330 Mio. Euro wurden im schwierigen Jahr 2009 für Unternehmenskredite neu zugesagt und die Unternehmen selbstverständlich begleitet. Mit einer Arbeitslosenquote von aktuell 4,7 Prozent liegt das Geschäftsgebiet deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Etwas pointiert heißt die Kernbotschaft: "Maximale Lebensqualität statt maximaler Gewinn". Und den verzeichnet die Kreissparkasse Ludwigsburg mit der Auszeichnung als „Bank des Jahres 2011“. Im Jahr 2012 wurden unter anderem folgende Institutionen für Sonderpreise „Kommune des Jahres“ bzw. „Bank des Jahres“ nominiert: BBBank eG, Commerzbank Heilbronn, Enztalbank, die Gemeinden Ilsfeld, Obersulm und Untergruppenbach, das Internationales Bankhaus Bodensee AG, die Kreissparkasse Heilbronn, die Merkur Bank KGaA, die S.D.L. Süddeutsche Leasing AG, die Städte  Albstadt, Beilstein, Großbottwar, Marbach am Neckar, die SÜDWESTBANK AG, die Volksbanken Beilstein, Offenburg, Sulmtal, Weinheim und die VR-Banken Schwäbisch Hall-Crailsheim sowie Stromberg-Neckar eG. Die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH, bereits 2004 als „Kommune des Jahres“ ausgezeichnet, wurde zur „Premier-Kommune des Jahres“ nominiert.

Das 1. Erfolgsgeheimnis

Die Hälfte aller Existenzgründer überlebt die ersten sechs Jahre nicht. Von den verbliebenen scheitert wiederum die Hälfte bis zum verflixten 13. Jahr. Die 1. Regel für Unternehmer heißt daher: Überleben ist Pflicht. Überleben kann nur, wer seine Produkte und Leistungen verkauft. „Grenzen des Wachstums“ gibt es für die meisten Mittelständler nicht wegen der vermuteten Knappheit volkswirtschaftlicher Ressourcen im Laufe des Jahrhunderts, sondern wegen der jeweils aktuellen Knappheit betriebswirtschaftlicher Ressourcen wie Finanzierung, Fachkräfte, Vertriebsstrukturen, Abnehmer im Laufe des Monats oder Jahres. Ständig ändern sich Märkte: Wegen politischer Eingriffe, wegen technologischer Revolutionen, wegen internationaler Entwicklungen. Ständig brechen „alte“ Märkte weg und müssen durch Wachstum in neuen Marktsegmenten ersetzt werden.

Wachstum ist Pflicht

Die Balance zwischen Autarkie durch Ausbau des Produktspektrums bzw. Spezialisierung, zwischen Verlängerung der Wertschöpfungskette im Unternehmen und Outsourcing muss in jedem Unternehmen individuell gefunden werden.Aber immer geht es um kostenoptimale Produktion modernster und nachgefragter Erzeugnisse, es geht um Angebote, die den Marktanforderungen entsprechen. Umsatz  und Gewinn sind die Voraussetzungen für Arbeitsplätze wie für regionales und soziales Engagement.

(Foto: Julien Christ/pixelio.de)

Präsidiumsmitglied Prof. Dr. Reinhart für Baden-Württemberg (Foto: Wikipedia/CC-3.0/Wolfgang Reinhart)

Die Solarbranche ist besonders in Baden-Württemberg erfolgreich. Das MAGE SOLAR Stadion des SC Freiburg zeugt davon (Foto: Wikimedia/CC-3.0/Andreas Schwarzkopf)

Nebeneinander von Weinbau und Industrie am Neckar (Wikimedia/GNU-Lizenz/Rosenzweig)