Was 2007 geschah

(21.09.2011)

Mit 3.011 nominierten Unternehmen für den „Großen Preis des Mittelstandes“ wird im 13. Wettbewerbsjahr erstmals die 3.000er-Marke überschritten. 807 davon erreichen die 2. Stufe des diesjährigen Wettbewerbs, die „Juryliste”. Und von denen wurden wieder beispielhafte Unternehmen ausgezeichnet: Zum Beispiel Dr. Jürgen Holdthoff von der EDUR Pumpenfa­brik in Kiel, Preisträger 2007, schwärmte: Erstmals in 80 Jahren Firmengeschichte wurde seine Firma nach der Teilnahme am Wettbewerb von der Landeshauptstadt wahrgenommen.

Als Nusret Eroglu mit der Eroglu GmbH als erstes türkisches Unternehmen überhaupt mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ ausgezeichnet wurde, nahm er seinen kleinen Sohn mit auf die Bühne, dem der Stolz über die Auszeichnung anzusehen ist. Dr. Bernd Hentschel von der HENKA Werkzeuge + Werkzeugmaschinen GmbH aus dem sächsischen Rittersgrün rollten auf der Bühne Tränen aus den Augen…

Vorreiter eines Bundestrends

Und auch Sonderpreise wurden wieder verliehen. Auch an Banken. Die meisten der rund 450 deutschen Sparkassen haben regionale Bedeutung – aber eben auch nicht mehr. Im Erzgebirge, in Aue-Schwarzenberg, hat sich eine Sparkasse zum Vorreiter eines Bundestrends gemacht. Für rund 60 Prozent der Mittelständler der Region ist diese Sparkasse Finanzierungspartner. Wenn aber die Jugend aus Westsachsen wegzieht, woher nehmen dann die ansässigen Gewerbetreibenden künftig ihre Fachkräfte? In Aue-Schwarzenberg baute man daher nach dem Amtsantritt des Vorstandsvorsitzenden Hans Perry im Jahr 2001 die Jugendmarke SPECK für die Zielgruppe der 12- bis 18-jährigen auf. In kräftigem Blau statt traditionellem Rot, mit einem eigenen Internetportal, verbunden mit vielfältigen Aktionen, Netzwerken und einer separaten Heimkehrbörse. Gegen den Widerstand der Sparkassenorganisation, die ihr Corporate Design verletzt sah und Fehlinvestitionen fürchtete, blieben die Erzgebirgler konsequent und wurden belohnt: Die Marke ist etabliert, die Kostenrelationen verbessert und Eigenkapital und Eigenkapitalrendite stark verbessert. Für ihren Geschäftsbericht erhielt Aue-Schwarzenberg 125 Jahre nach der Gründung in New York als erste deutsche Sparkasse überhaupt den renommierten ARC-Award in Gold.

Und für ihr kreatives Mittelstands-Jugendkonzept erhielt sie die Auszeichnung „Bank des Jahres“. Jürgen Seidel, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Mecklenburg-Vorpommern, hielt den Leitvortrag zum Thema „Mittelstand führt Deutschland aus der Krise“. Zur Unterstützung des Mittelstandes setzt das Wirtschaftsministerium neue Akzente in der Wirtschaftsförderung. „Ziel der Förderung ist die Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis und die Schaffung von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen“, sagte Seidel. Dieses Ziel verfolgt auch die Oskar-Patzelt-Stiftung. „Der Sachverstand aus der Wirtschaft soll in die aktive Politik einfließen“, sagte Seidel. „Bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen wird gemeinsam nach praktikablen Lösungen gesucht.“ Wenn das nur in allen Behörden so gesehen werden würde…

„Sicherungsstrategien im Mittelstand“

Fast hätte die Konferenz im Frühling 2007 einen Skandal ausgelöst. Prof. em. Eberhard Hamer vom Mittelstandsinstitut Niedersachsen, Hannover, referierte zum Thema „Was passiert, wenn der Crash kommt - Sicherungsstrategien im Mittelstand“. Mitautor seines gleichnamigen Buches, das inzwischen bereits in 10. Auflage erschien, ist unter anderem der heutige Finanzminister Niedersachsens, Hartmut Möllring. Hamer hatte schon vor Jahren gewarnt: Die Schulden- und Finanzpolitik vor allem der USA und der Finanzmafia muss früher oder später zum Kollaps führen. Bereits im Jahr 2004 veröffentlichte Hamer seinen Artikel „Der Welt-Geldbetrug“. Er beleuchtete die Entwicklung der Zahlungsmittel, erläuterte diverse Währungssysteme und deren Entwicklung und sagte bei weiterer Fehlentwicklung den Zusammenbruch des US- Finanzsystems ab dem Jahr 2007 voraus.

Der Mittelstandsökonom Hamer galt vielen als Schwarzseher, er hatte zugleich den Ruf, Amerikagegner und Antilinker zu sein. Am Vorabend der Tagung hatten linksradikale Gruppierungen im Internet Proteste angekündigt und Gewalt nicht ausgeschlossen. Der Staatsschutz von Mecklenburg-Vorpommern wurde eingeschaltet, um die Sicherheit des Stellvertretenden Ministerpräsidenten zu gewährleisten.

Doch letztlich ging alles gut. Die Veranstaltung blieb im Gegensatz zum G8-Gipfel - einige Wochen später und einige Kilometer weiter - ungestört. Gott sei Dank. Ein Jahr später erzählte Gerhard Schade, dass am Vorabend des Ausbruchs der Finanzkrise im Juli 2007 seine Frau eine Vorahnung hatte. Sie erinnerte sich an den Vortrag von Prof. Hamer in Rostock. Die Familie hatte noch ein paar Aktien und Fonds, die bei einem Crash gefährdet sein könnten. Gerade noch rechtzeitig löste sie diese Anlagen auf. Dann schlugen Subprime-Krise und Finanzkrise zu.

Eine positive Atmosphäre

Jährlich lädt die Oskar-Patzelt-Stiftung durchschnittlich zu zwei solchen überregionalen Tagungen ein. Stets ist ein einmaliges, attraktives Vortragsprogramm vorbereitet. Gäste waren unter anderem der Direktor des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen, Prof. Dr.- Jörn-Axel Meyer, der Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer in Frankfurt am Main Eckhart C. Hild, der Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt Prof. Claus Scholl, der Psychologe und Bergsteiger Dr. Marcus Stück, der Präsident des Steuerzahlerbundes Karl-Heinz Däke, der schweizerische PR-Profi Prof. Jürg W. Leipziger, der Gründer der privaten BIP-Schulen, Prof. Hans-Georg Mehlhorn, der Marketing-Experte Gerhard Fuchs und viele andere.

Entscheidend für die Resonanz auf diese Veranstaltungen sind aber nicht die Referenten. Die einhellige Meinung der Teilnehmer ist, dass die angenehme, offene und wertschätzende Atmosphäre die Gesprächsmöglichkeiten äußerst positiv beeinflusst. Jeder Gast ist hier individueller Gast. Mit persönlichen Gesprächs- und Austauschmöglichkeiten, die den Gewinn, den er aus den Referaten und Diskussionen zieht, wohltuend abrunden. Teilnehmer bestätigen immer wieder: „Eine solch positive Atmosphäre und einen solchen Input wie bei diesen Veranstaltungen habe ich selten erlebt.“  Gegenseitige Wertschätzung und Akzeptanz ist gesichert. Jeder der Teilnehmer ist selbst Mittelständler. Man weiß voneinander, welche Schwierigkeiten überwunden werden mussten, um das eigene Zehn- oder Hundert- oder Tausend-Mann-Unternehmnen aufzubauen. Man versteht einander. Das ist mehr, als man gewöhnlich von Veranstaltungen erwarten kann, die angeblich der Diskussion dienen, sich aber dann als verkappte Akquise-Roadshows entpuppen. Auf ehrlicher Basis entstehen auch belastbare Freundschaften und tatsächlich nützliche Kontakte. Unter den Teilnehmern des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“ haben sich vielfältige Beziehungen entwickelt.

Vom einfachen Kontakt bis zum langfristigen Coaching. Auch die Zahl der Teilnehmer, die der ehrenamtlich arbeitenden Stiftung ihre Mitarbeit anboten, wuchs. Was lag näher, als diese Interessenten zu einem Brainstorming über die Frage „Quo vadis, Oskar-Patzelt-Stiftung?“ zusammen zu holen? Beim Brainstorming in lockerer Atmosphäre diskutieren die Gäste ausgehend vom erreichten Niveau von Wettbewerb und Stiftung die mögliche Entwicklung des Wettbewerbs in den nächsten 3-5 Jahren. Was wurde in den letzten 13 Jahren erreicht? Welchen Nutzen hat die Initiative für den Mittelstand im Allgemeinen und für die beteiligten Unternehmen im Besonderen geschaffen? Wie ist die interne Organisationsstruktur? Wo liegen Reserven? Wie können diese gehoben werden?

Christoph Stölzel (Neumarkt i.d.OPf.), damals Finalist des Wettbewerbs mit seinem Unternehmen VARIOTEC Sandwichelemente GmbH & Co. KG, präsentierte eine komplette Studie und wies vor allem auf die Notwendigkeit hin, moderne Möglichkeiten der Kommunikation im Internet stärker zu nutzen. Die Ideen reichten von einer Plattform „Kompetenznetz Mittelstand“ als Mehrwert für die Preisträger bis zu einem Mittelstandsclub und einem an TQM und EFQM orientierten Konzept von Business Excellence.

Mittelstands-FORUM Deutschland

Die Konzepte wurden nicht nur intensiv diskutiert. Sondern alle Gäste waren darüber hinaus überzeugt, dass diese Form des Gedankenaustauschs fortgesetzt und zu Ergebnissen geführt werden soll. So entstanden in den Folgejahren das Mittelstands-FORUM Deutschland, die Strategiegruppe der Oskar-Patzelt-Stiftung, separate Strategietagungen und so weiter.
Der gesellige Teil mit zwanglosen Gesprächen unter Teilnahme von Mitarbeitern der ASI und der REHAU enthielt Überraschungen der Lobdeburger Rittersleute, die unter anderem neue Mitglieder und Freunde des Vereins zu Ehrenrittern schlugen. 17 Jahre nach „Erfindung“ des Wettbewerbs ist ein starkes und belastbares Netzwerk geknüpft worden: Ein leistungsorientiertes Netz von tausenden Unternehmen aller Bundesländer, aller Branchen, aller Eigentums- und Rechtsformen. Die Knoten dieses Netzwerks sind leistungsstarke und erfolgreiche Unternehmen, die über vielfältige Verbindungen miteinander kommunizieren und agieren.

Was 2007 noch geschah
  • Der erste möglicherweise bewohnbare Exoplanet wird entdeckt. Er kreist um den 20,5 Lichtjahre entfernten Stern Gliese 581. Anfang Juni findet In Heiligendamm der 33. G8-Gipfel unter heftigen öffentlichen Protesten statt.  Im Vertrag von Lissabon einigen sich die EU-Mitgliedsstaaten auf Reformen im politischen System der Europäischen Union.
  • Mit Jahresbeginn steigt  die Mehrwertsteuer in Deutschland von 16 auf 19 %. In Deutschland wird erstmals seit 40 Jahren  ein ausgeglichener Staatshaushalt erreicht.

Dr. Jürgen Holdhof, Geschäftsführer, EDUR-Pumpenfabrik Eduard Redlien GmbH & Co. KG Ehrenplakette 2007, Preisträger 2007 „Großer Preis des Mittelstandes“

Dr. Bernd Hentschel, Geschäftsführer, HENKA Werkzeuge + Werkzeugmaschinen GmbH Preisträger 2007 „Großer Preis des Mittelstandes“

Hans Perry, Vorsitzender des Vorstandes, Kreissparkasse Aue-Schwarzenberg Bank des Jahres 2007 „Großer Preis des Mittelstandes“

Nusret Eroglu, Geschäftsführer, EROGLU Präzisionswerkzeuge GmbH Ehrenplakette 2008, Preisträger 2007, Finalist 2006 „Großer Preis des Mittelstandes“

Gerhard Schade, Geschäftsführer, ASI Anlagen SERVICE Instandhaltung GmbH Ehrenplakette 2007, Preisträger 2007 „Großer Preis des Mittelstandes“