Was 2005 geschah

(19.09.2011)

Manchmal kommen die Probleme aus Ecken, wo man sie beim besten Willen nicht vermutet: Seit 1998 hatte die Stiftung einen Markenrechtsstreit mit der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, USA (Hollywood). Hallo, Hollywood? Tatsächlich! Die Jungs hatten Angst. Sie beklagten eine angebliche Verwechslungsgefahr der ursprünglich von der Stiftung eingetragenen Marke mit der Hollywood-Marke „Oscar”.

Also wirklich, Hollywood kümmert sich um alles Mögliche – aber um den deutschen Mittelstand? Auf solch eine Idee muss man erst mal kommen. Wie auch immer, die kleine, ehrenamtlich arbeitende Stiftung aus Leipzig hielt in diesem Streit sieben Jahre stand. Schließlich war Oskar Patzelt der Schwiegervater des Stifters Helfried Schmidt. Und auch das Bundespatentamt hatte doch immer geschrieben: Oskar – das ist inzwischen ein Synonym für Auszeichnungen und Wettbewerbe. Allein in Deutschland gab es weit über 100 im Markenregister eingetragene Marken, die alle irgendwie mit „Oskar“ zu tun hatten. Weltweit waren das tausende. Und bei solch einer überragenden Marktgeltung verkehrt sich das Schutzrecht ins Gegenteil. Da kann man irgendwann den Begriff nicht mehr schützen. Es kann ja auch keiner den Begriff „Deutschland“ oder „Amerika“ als Marke anmelden. Doch nachdem im Laufe nur eines Jahres ein fleißiger, bissiger Anwalt, der sich das Hollywood-Mandat geholt hatte, in weit über 100 Fällen Unterlassungserklärungen erhielt, änderte sich die Rechtslage. Große und bedeutende Institutionen bis hin zu Kaufland oder den Wirtschaftsjunioren Deutschland, die jahrelang unbeanstandet einen „Ausbildungs-Oskar“ verliehen, waren eingeknickt. Alle hatten den Anwalt bezahlt, die Unterlassung unterschrieben, und den eigenen Wettbewerb umbenannt. Nachdem auch noch das Cafe „O…“ in Potsdam-Babelsberg, das bisher „Oscar“ hieß, auf seinen Namen verzichtete, war nur noch ein „Gegner“ Hollywoods übrig: Die Leipziger. Inzwischen war der Rechtsstreit beim Bundespatentgericht anhängig. Nächste Instanz: Bundesgerichtshof. Die damit verbundenen Kostenrisiken waren unkalkulierbar. Erst die Geburtsurkunde von Oskar Patzelt überzeugte Hollywood, dass nicht nur die Amerikaner, sondern auch ein paar Deutsche Namensrechte geltend machen können. Nun, nach sieben Jahren Rechtsstreit, waren sie im Januar 2005 zu einem Vergleich bereit: Die Stiftung durfte fortan mit Hollywoods Segen „Oskar-Patzelt-Stiftung“ heißen, der Wettbewerb wurde in „Großer Preis des Mittelstandes“ umbenannt. Der Namensgeber Oskar Patzelt und seine Frau Brigitte waren Ehrengäste der Magdeburger Preisverleihung.

Alle bis 2004 ausgezeichneten Firmen mussten informiert werden und neue Schilder für ihre Preisskulpturen erhalten. Die Satzung wurde angepasst. Das Regierungspräsidium als  Stiftungsaufsichtsbehörde genehmigt die Satzungsänderung am 02.02.2006. Die Resonanz im Mittelstand auf die Initiative für den Mittelstand ist trotz der Namensänderungen ungebrochen. Renommierte, über jeder Kritik stehende Firmen kämpfen um diesen Titel. Zahlreiche Kommunen, Regierungspräsidien, Landratsämter, Verbände, Institutionen haben die motivierenden Wirkungen unserer Initiative erkannt und unterstützt. Mit den Sonderpreisen für das unternehmerische Umfeld: „Bank des Jahres“ und „Kommune des Jahres“ wird das so wichtige Umfeld konstruktiv einbezogen. In bundesweiten Fachzeitschriften verschiedener Branchen, auf der unmittelbar lokalen und regionalen Tages- und Wochenzeitungsebene (Landkreis, Stadt), im MDR-Fernsehen und im Rundfunk ist die Medienresonanz erneut überaus positiv. In RBB, MDR und Lokalsendern wurden mehrminütige Fernsehbeiträge gesendet. Der Schöpfer der Preisskulptur, der Berliner Bildhauer Karsten I. W. Kunert mit Ateliers in Erfurt/Berlin/Boston (USA), hatte schon zur Bundesveranstaltung in Berlin 2004 die „Goldene Ehrennadel“ erhalten. Die stark gewachsene Resonanz auf unsere Aktivitäten zeigt sich in der Übernahme der Schirmherrschaften. Gesamtschirmherr war der Präsident des Bundesrates und neue SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck. Personell gab es Veränderungen: Neuer Vorsitzender des Unternehmerbeirats ist der brandenburgische Unternehmer und Preisträger Volkmar Redlich. Neuer Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates ist Prof. Dr. Jörn-Axel Meyer, Deutsches Institut für kleine und mittlere Unternehmen an der Universität der Künste, Berlin. In den vergangenen zehn Jahren hat sich in den Archiven der Stiftung eine große Menge Material angesammelt. Über 1.600 teils sehr ausführliche Unterlagen von Unternehmen, die sich der Bewertung durch die Jury der Stiftung gestellt haben, lagern in den Regalen.

Daran wird auch die immense Arbeit der Juroren deutlich. Mehrere zigtausend Seiten jährlich sind von den Juroren auszuwerten und zu vergleichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Befragungen und Erhebungen bilden diese Unterlagen keine Momentbeschreibungen ab. Sie lassen immer einen Fünfjahreszeitraum in der jüngsten Geschichte des Unternehmens transparent werden. Bewusst werden auch Fragen nach der Unternehmensidee, nach den Startschwierigkeiten, nach den Partnern und den Zielen für die nächsten drei Jahre beantwortet. 1.600 Unternehmer erzählen, welche Probleme ihnen zurzeit das meiste Kopfzerbrechen bereiten, welche Lösungsansätze dabei verfolgt werden und welche Erfolge des letzten Jahres besonders hervorhebenswert sind. Eine solche Datenbasis ist eine wahre Goldgrube für wissenschaftliche Auswertungen. Hinter den bedruckten Seiten stecken lebendige Menschen und tätige Unternehmen. Hier geht es nicht um tote Zahlen, Abstraktionen und statistische Durchschnitte, sondern um Wirklichkeiten. Wer als Politiker oder Wissenschaftler will, dass die Wirtschaft sich entwickelt und Arbeitsplätze schafft, muss dafür sorgen, dass sich das einzelne konkrete Unternehmen entwickeln kann. Dazu muss man auch die einzelnen konkreten Unternehmen ansehen. An denen, die gescheitert sind, kann man Faktoren des Scheiterns studieren. An denen, die erfolgreich wurden, kann man Faktoren des Erfolgs studieren.

Die statistische Mittelung von Erfolg, Misserfolg und unvergleichbaren Umgebungsbedingungen ergibt stattdessen Zahlen, deren Interpretation nicht gehaltvoller ist, als würde man aus dem Kaffeesatz lesen wollen. Wichtigstes Resultat war folgendes: Volkswirtschaftlich bedeutsam ist bei den Wettbewerbsteilnehmern, dass in diesen Betrieben regelhaft die Summe ein- oder mehrmaliger Förderungen weit unterhalb des Betrages liegt, die der Staat jährlich aus der Bewirtschaftung dieser Unternehmen an Steuern und Abgaben zieht. Die nominierten Unternehmen weisen im 5-Jahres-Zeitraum Wachstumsraten über 30 % bei Umsatz, Mitarbeitern und Azubis auf. Das sind chinesische Wachstumsraten. Mitten in Deutschland. Nicht auf den Titelseiten der Mainstreammedien zu finden. Sondern im Mittelstand! Die Wettbewerbsteilnehmer repräsentieren daher – statistisch gesehen – eine eigene Grundgesamtheit, die in der üblichen statistischen Durchschnittsbetrachtung übersehen wird: Die Grundgesamtheit der erfolgreichen Unternehmen. Deren Daten und Erfahrungen sind zu berücksichtigen, wenn man als Politiker Wachstum organisieren will. Leider passiert das viel zu wenig.

Was 2005 noch geschah
  • Am 2. April stirbt Papst Johannes Paul II. im Alter von 84 Jahren.Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger tritt die Nachfolge an.
  • Die Walter Bau AG, der viertgrößte Baukonzern in der Bundesrepublik mit rund 9.400 Mitarbeitern, meldet Insolvenz an. In Berlin wird das Denkmal für die ermordeten Juden Europas feierlich eingeweiht. Angela Merkel wird erste deutsche Bundeskanzlerin. Im Alter von 99 Jahren stirbt die deutsche Boxerlegende Max Schmeling.

 

 

Eva und Hans-Jürgen Germerodt, Geschäftsführer, Werkmeister GmbH + Co. KG Premier-Finalist 2008, Ehrenplakette 2007, Preisträger 2005 „Großer Preis des Mittelstandes“

Holger Meyer, Geschäftsführer, STA-BAU Meyer Sicherungstechnischer Anlagenbau Preisträger 2007, Finalist 2005 „Großer Preis des Mittelstandes“

Dipl.-Ing. Manfred Schindler, Geschäftsführer, AKTUELL BAU GmbH Premier 2005, Finalist 2004 „Großer Preis des Mittelstandes“

Endress+Hauser Conducta GmbH + Co. KG Premier-Finalist 2010, Ehrenplakette 2009, Preisträger 2005 „Großer Preis des Mittelstandes“