Was 2002 geschah

(16.09.2011)

Am 11. September 2001 erschütterte der Terroranschlag auf das World Trade Center in Amerika die Öffentlichkeit. Petra Tröger und Helfried Schmidt waren an diesem Tage gerade in Frankfurt/M. zum Gespräch bei Kuratoriumsvorsitzenden der Oskar-Patzelt-Stiftung, Generalkonsul Helmut K. Holz, und sahen die Fernsehbilder im Hotelzimmer. Niemand wusste, was geschehen war und was noch geschehen würde. Gerüchte vom dritten Weltkrieg machten die Runde. Wer so etwas fertigbringt, für den könnte in Deutschland die Skyline Frankfurts ein Ziel erster Wahl sein. Vom Terrorschock dieses Tages hat sich die Welt bis heute nicht wieder richtig erholt. Im April 2002 tat die Stiftung, was ihr möglich war. Gemeinsam mit dem World Trade Center Leipzig und dessen Geschäftsführer Klaus Janaczek veranstaltete sie ein „Best-practise-Seminar“ für Unternehmen, die zum „Großen Preis des Mittelstandes“ nominiert wurden. Damit wurden zwei Ziele erreicht: Den Unternehmen wurde eine unmittelbare Vermarktungshilfe gegeben und das Leipziger World Trade Center wurde in seinem Image als Veranstaltungs- und Kommunikationsort unterstützt.

Schon 1995, bei der Erstausschreibung, wurde die Firma Dorow und Sohn KG aus dem sächsischen Oschatz zur Auszeichnung nominiert. Jedes Jahr wurde die Nominierung des 1990 gegründeten 100-Mann Großhandels für Heizung, Sanitär und Walzstahl mit Betonstahlbiegerei von der Stadtverwaltung Oschatz aufrechterhalten. Jedes Jahr reichte Hartmut Dorow der Jury die Unterlagen ein. Jedes Jahr nahm er an der Auszeichnungsveranstaltung teil. Eigentlich hatte er sich aber bereits damit abgefunden, dass sich die Jury Jahr für Jahr für andere Unternehmen als Preisträger entschied.

Doch im Jahr 2002, dem Katastrophenjahr mit der großen Sommerregenflut, die in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg so viel Schaden anrichtete, klappte es. Zum achten Mal hintereinander war Dorow und Sohn zur Auszeichnung nominiert. Ursprünglich sollte das Hotel Bellevue am Dresdner Elbufer der Ort der Preisverleihung sein. Doch das Bellevue hatte in der Elbüberschwemmung zu große Wasserschäden abbekommen und musste die Veranstaltung absagen. Kurzfristig sprang das Hilton Hotel Dresden ein, dass bis zum Veranstaltungsbeginn mit seinen Reparaturen und Renovierungen fertig wurde. Im Saal saßen auch Hartmut Dorow und dessen Sohn Rene. Und diesmal wurden beide von Dagmar Frederic nach vorn gerufen und erhielten unter dem Beifall der Gäste ihren „Großen Preis“.

Auch die Keunecke Feinkost GmbH wurde 2002 ausgezeichnet und feierte gleich doppelt. Helga Heilemann, Tochter von Herrn Alwin Keunecke wurde am Tag der Preisverleihung 71. Die Auszeichnung ehrte auch ihre Verdienste. Sie hatte 1972 die Geschäftsleitung übernommen, als das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt zwangsverstaatlicht wurde. Die Belegschaft hatte sich dafür eingesetzt, dass Keunecke in der Hand der Familie blieb.

„Jetzt bin ich ganz neugierig geworden“

Heikel wurde es, als ein hessischer Unternehmer mehrfach bei der Stiftung in Leipzig anrief, um zu erfahren, ob er Preisträger werden würde. Mit Engelszungen drückte sich Petra Tröger um eine Antwort herum, doch der Mann ließ nicht locker. Beim dritten Telefonat war er schließlich so weit, dass er sagte: „Okay, Frau Tröger, Sie haben mir jetzt so viel erzählt, jetzt will ich mir den Ball selbst ansehen. Jetzt bin ich ganz neugierig geworden, egal, ob ich selbst zu den Preisträgern gehöre oder nicht. Aber eine Frage müssen Sie mir noch beantworten. Werde ich Sie denn dort persönlich kennenlernen?“ Die Gefragte wusste natürlich, dass sie ihm auf der Bühne den „Großen Preis des Mittelstandes“ überreichen würde. Aber das durfte sie ihm ja nicht sagen. Also wich sie aus und konterte: „Eines kann ich Ihnen versprechen: Sie werden mich ganz gewiss nicht übersehen!“

Plötzlich war Schweigen am anderen Ende der Leitung. Dann fasste sich der Anrufer ein Herz und fragte: „Ich will nicht indiskret sein, aber sind Sie wirklich so dick?“ – „Ich antworte Ihnen mit Rudi Carrell – Lassen Sie sich überraschen!“, lautete die Antwort. Am Abend, nach der Preisverleihung, entschuldigte sich der Unternehmer für sein Telefonat. Es war ihm ziemlich peinlich, diese Frage gestellt zu haben. Solche Szenen sind es, die die Verleihungen des  Mittelstandspreises auch als Ereignis zu etwas Besonderem gemacht haben. Das kleine Organisationsteam hat inzwischen eine Meisterschaft entwickelt, mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen, sie kreativ zu gestalten und auch für die nicht unmittelbar einbezogenen Zuschauer im Saal zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Der Gaul der den Karren zieht

Dr. Bernhard Vogel ist der einzige deutsche Politiker, der jemals Ministerpräsident zweier verschiedener Bundesländer war. Rheinland-Pfalz und später Thüringen. In beiden Fällen war es ihm gelungen, über die Auslösung einer mittelstandsbasierten wirtschaftlichen Dynamik Verbesserungen für die Lage der Menschen und den sozialen Frieden im Lande zu erreichen. Grund genug für die Oskar-Patzelt-Stiftung, Vogel auf der Bundesveranstaltung 2002 als „Wirtschaftsförderer des Jahres“ auszuzeichnen. Vogel war zur Gala zwar selbst verhindert, aber per Videokonferenz zugeschaltet. Er zitierte Winston Churchill: „Manche sehen im Unternehmer einen räudigen Wolf, den man erschlagen muss. Andere sehen in ihm die Kuh, die man immer melken kann. Und nur wenige erkennen in ihm den Gaul, der den Karren zieht. Ich bekenne, ich gehöre der dritten Gruppe an.“ Wären nur alle Politiker so klarsichtig! Zu diesen klarsichtigen gehört der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Er  war immer ein Verfechter dieser Programmatik von Karl Schiller. Bei derartigen inhaltlichen Übereinstimmungen in Ziel und Weg sagte Helmut Schmidt im Frühjahr 2002 gern zu, die Schirmherrschaft über die 8. Oskar-Patzelt-Stiftungstage zu übernehmen.

Stabile und dynamische Wirtschaftseinheiten

Vorbilder in Deutschlands Geschichte und Gegenwart gibt es genug. Da ist zum Beispiel der Wissenschaftler, Techniker, Erfinder und Unternehmer Manfred von Ardenne, der mit 19 Jahren 1936 in Berlin ein privates Forschungsinstitut begründete, das mit 500 Mitarbeitern trotz 90-prozentiger Gewinnabschöpfung durch den damaligen Fiskus sogar die DDR überlebte. Und da sind Hunderttausende kleine und mittelständische Unternehmer in jeder Generation, aus denen immer wieder im Laufe weniger Jahre einige große, weltweit agierende stabile und dynamische Wirtschaftseinheiten entstehen. In zehn Jahren werden neue Unternehmen zu den Top-100 gehören, die heute noch niemand kennt. Sie müssen wieder Eingang in die Medien und in die Köpfe finden, massenhaft popularisiert werden, sich eigendynamisch entwickeln und fortpflanzen. Jeder, der bei Presse, Funk und Fernsehen, im Bildungswesen, in Forschung und Entwicklung, in Ämtern und Behörden arbeitet, trägt dabei eine ganz besondere Verantwortung. Die Oskar-Patzelt-Stiftung trägt ihren Teil dazu bei.

Was 2002 noch geschah

Mit Jahresbeginn wird der Euro in zwölf Staaten der Europäischen Union, sowie in Andorra, Monaco, Montenegro, San Marino und dem Vatikan als gemeinsame Währung eingeführt. Das Euro-Bargeld ist seitdem gesetzliches Zahlungsmittel.

Sven Hannawald gewinnt als erster Skispringer alle vier Einzelspringen der Vierschanzentournee. Im Februar übernimmt Deutschland die führende Rolle beim Aufbau der Polizei in Afghanistan. Die USA treten im Juni einseitig vom ABM-Vertrag zurück.

Volkmar Fischer, Geschäftsführer, CAWI Stanztechnik GmbH - Preisträger 2002 „Großer Preis des Mittelstandes“

Mutter und Sohn Heilemann (i.B.r.)Ekkehard Heilemann, Geschäftsführer), Keunecke Feinkost GmbH - Ehrenplakette 2010, Preisträger 2002 „Großer Preis des Mittelstandes“

Mutter und Sohn Heilemann (i.B.r.)Ekkehard Heilemann, Geschäftsführer), Keunecke Feinkost GmbH - Ehrenplakette 2010, Preisträger 2002 „Großer Preis des Mittelstandes“

Angelika Aschenbrenner, Geschäftsführerin, Aschenbrenner Werkzeug- und Maschinenbau GmbH - Premier-Finalist 2005, Preisträger 2002 „Großer Preis des Mittelstandes“

Angelika Aschenbrenner, Geschäftsführerin, Aschenbrenner Werkzeug- und Maschinenbau GmbH - Premier-Finalist 2005, Preisträger 2002 „Großer Preis des Mittelstandes“