Was 2000 geschah

(14.09.2011)

Mit der Auszeichnung hervorragender Unternehmen den Mittelstand als Ganzes zu ehren, ihm einen Großen Preis zu widmen, das stieß auch in weiteren Bundesländern zunehmend auf Resonanz. Im Jahr 2000 wurde stellvertretend für die alten Bundesländer die Reaktion in Hessen getestet.

Die ersten Gespräche mit dem Mittelstandsreferenten des Wirtschaftsministeriums Hans-Dieter Degen und der Geschäftsführung der IHK Frankfurt/M. verliefen positiv. Der damalige Wirtschaftsminister Dieter Posch übernahm die Schirmherrschaft und der Bundesball der Oskar-Patzelt-Stiftung fand in diesem Jahr in Frankfurt/M. statt – erstmals mit der Auszeichnung hessischer Unternehmen. Als Moderator und Stargast trat Gunter Emmerlich auf. Staatssekretär Dr. Herbert Hirschler vertrat den Minister auf der Veranstaltung. Besonders gut gefiel ihm, dass die Oskar-Patzelt-Stiftung nicht nur Unternehmen als solche auszeichnete, sondern sich mit den Sonderpreisen „Kommune des Jahres“ und „Wirtschaftsförderer des Jahres“  auch ausdrücklich um die Persönlichkeiten bemühte, die für die unternehmerischen Rahmenbedingungen verantwortlich sind.

Nach der Wiedervereinigung nur noch Mittelstand

Anschließend fragte der Staatssekretär den Vorstand der Stiftung eher rhetorisch: „Warum sind wir im Westen eigentlich nicht auf die Idee eines solchen Mittelstandspreises wie des ‚Großen Preises des Mittelstandes‘ gekommen?“ Er gab sich die Antwort selbst: In den fetten Jahrzehnten nach dem Wiederaufbau der 50er Jahre war in den alten Bundesländern das Bewusstsein dafür geschwunden, dass Arbeitsplätze, Aufschwung und Innovation zum allergrößten Teil vom Mittelstand abhängen, und nicht etwa von Großunternehmen oder Staatsbetrieben. In den neuen Bundesländern gab es aber nach der Wiedervereinigung praktisch nur noch Mittelstand. Dort lag eine solche Idee daher näher. Ende 2000 erreichte die Stiftung ein Anruf aus Potsdam. Am Telefon war Bernd Schenke.

Vor allem im Brandenburger Raum ist er als Chefredakteur der IHK-Zeitschriften FORUM und fleißiger und kreativer Öffentlichkeitsarbeiter der IHK Potsdam gut bekannt. Bernd Schenke war auf Berichte zum Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ gestoßen und wollte vor Ort in Leipzig mal sehen, was da so dahinter steckt. Zum Gesprächstermin in Leipzig konnten alle seine Fragen beantwortet werden. „Ich finde das eine sehr gute Sache“ fasste er das Gespräch zusammen. „Das sollte auch dem Brandenburger Mittelstand zugute kommen. Ich weiß, das mit einer Erweiterung der Initiative auf Brandenburg viel Arbeit zusammenhängt. Deshalb werde ich gleich konkret: Wie kann ich bei der Stiftung mitmachen?“ Das war schnell geklärt. Er würde als Koordinator den Kontakt zu den Brandenburger IHKs sichern und sich um Nominierungen aus Brandenburg und um Pressearbeit kümmern. Er wurde die Arbeitsvertretung für Peter Egenter, der als Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam in der Jury für Berlin und Brandenburg mitarbeitete.

Erweiterung auf die Haupstadtregion Berlin-Brandenburg

Er ist seitdem Pressebeauftragter des Vorstands der Stiftung und wurde später auch Mitglied des Kuratoriums der Oskar-Patzelt-Stiftung. Dieses Gespräch war der Startschuss für die Erweiterung auf die gesamte Hauptstadtregion Berlin und Brandenburg. Der Regierende Bürgermeister zu Berlin Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck konnten als  Schirmherren des Bundesballes im Berliner Estrel Convention Center gewonnen werden.

Auf dieser Veranstaltung werden seit dem Jahr 2001 auch Unternehmen aus Berlin und Brandenburg mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ ausgezeichnet. Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns nahm die Berufung als Mitglied des Präsidiums der Stiftung an. Und ein reichliches Jahr später folgte mit den anderen Bundesländern die Erweiterung der Initiative auf ganz Deutschland. In Sabine Christiansens Talkshow, bei ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, in den Studios des Südwest­rundfunks und des Mitteldeutschen Rundfunks, vor den Kameras des Rundfunks Berlin-Brandenburg, vor den Mikrofonen vieler Rundfunksender und im Gespräch bei zahlreichen Printjournalisten waren in den letzten zehn Jahren Unternehmer und Unternehmen, die zur Auszeichnung zum „Großen Preis des Mittelstandes“ nominiert waren oder mit diesem Preis ausgezeichnet wurden.

„Gesunder Mittelstand – Starke Wirtschaft – Mehr Arbeitsplätze“. Das ist die Botschaft, die die Oskar-Patzelt-Stiftung popularisiert. Wenn es uns in Deutschland gelingt, im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends in Deutschland wieder ein Mittelstandswunder zu schaffen wie schon mal in den fünfziger Jahren, dann wird die Zukunft trotz Überalterung, Globalisierung und leerer Staatskassen kein Bild der Angst erzeugen, sondern zu einer Zeit voller Enthusiasmus, Elan und Erfolg reifen. Und wer sollte uns eigentlich daran hindern? Nicht nur auf Bundesebene, auch auf kommunaler Ebene ist die Ermutigung zu mittelstandsfreundlichem Handeln notwendig. Erstmals im Jahr 2000 wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“ ein Bürgermeister oder Landrat gesucht, der in seinem Verantwortungsbereich durch besonders mittelstandsfreundliche Politik den Unternehmens- und Arbeitsplatzbestand sichern und vermehren konnte.

Sensible Mittelstandspolitik

Der erste Preisträger dieses Sonderpreises war Siegfried Deffner, damals Bürgermeister der bayerischen Stadt Gersthofen. Durch permanente und sensible Mittelstandspolitik befreite er die Stadt aus der Abhängigkeit eines Großbetriebes, stoppte den Wegzug seiner Bürger und erreichte stattdessen ein ständiges Wachsen der Einwohnerzahl. Die Stadtkasse war gut gefüllt. „Die Stadt ist ein Unternehmen, und die Bürger sind die Aktionäre.“ Mit dieser Begründung gab er allen Bürgern aus dem kommunalen Säckel 100 DM als „Dividende“ zurück.  In den Folgejahren wurden weitere kommunale Strukturen verschiedener Bundesländer für überragendes und nachahmenswertes Engagement für eine solide Mittelstandspolitik ausgezeichnet.

Der Sonderpreis ging zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen an den Wirtschaftsförderer Hermann-Josef Raatgering in Borken und an den Bürgermeister der Stadt Langenfeld, Magnus Staehler, in Rheinland-Pfalz an den Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Bertram Fleck, in Sachsen an den Oberbürgermeister der Stadt Bautzen, ­Christian Schramm, in Baden-Würt­temberg an den Wirtschaftsförderer der Region Heilbronn-Franken, Steffen Schoch, in Sachsen-Anhalt an den Bürgermeister der kleinen Gemeinde Osterweddingen vor den Toren Magdeburgs, Erich Wasser­thal, in Brandenburg an den Landrat von Teltow-Fläming, Peer Giesecke, in Berlin an den Stadtbezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Klaus Ulbricht und in Bayern an die kleine Stadt Vilshofen an der Donau.

Aus dem Nichts ein Unternehmen aufzubauen und gegen zahlreiche Widerstände von Konkurrenten, Funktionären und „wohlwollenden“ Mitmenschen Arbeit für andere zu schaffen – das ist unter vielen Aspekten mit dem Ziel vergleichbar, einen Gipfel zu bezwingen, der eigentlich unbezwingbar ist. Und die Belastungen und Stressbewältigungsmechanismen, die der Mediziner im Körper von Unternehmern findet, sind denen vergleichbar, die bei Extrembelastungen wie dem Höhenbergsteigen auftreten. Und hier wie dort gilt: Ohne das Team ist es nicht zu schaffen. Die Expeditionen junger Bergsteiger-Crews in Zusammenarbeit mit der Oskar-Patzelt-Stiftung auf die Gipfel der Welt sind daher auch Sinnbilder, Symbole, für unternehmerische Tatkraft, für visionäre Gestaltungsfreude, für Durchhaltevermögen, für Teamfähigkeit, für Führungsstärke, für sorgfältige Vorbereitung und Planung, für flexible schnelle Anpassung an Bedingungsänderungen. Für unternehmerische Eigenschaften, mit denen man auch den „Großen Preis des Mittelstandes“ erringen kann.

Auszubildende als Laiendarsteller

Um Medien, Sport, Abenteuer, Jugend, Wirtschaft und Wissenschaft miteinander zu verbinden, wurde mit der Sächsi­sche Himalaya-Gesellschaft e. V., der Universität Leipzig, dem Institut für Trainingsforschung Leipzig, dem Institut für Stressforschung Berlin u. a. zusammengearbeitet. Zahlreiche Berichte in verschiedenen Print-, Funk- und Fernsehmedien begleiteten die Aktionen. Auch die Stiftung musste in den Anfangsjahren „ihre“ eigene dramaturgische Sprache für die Auszeichnungsgalas erst finden. Im Jahr 2000 wurde zum Beispiel mit schauspielerischen Sketchen auf die jeweiligen Preisträger hingewiesen, bevor der Moderator diese nach vorn rief. Das spielten Laiendarsteller, die als Auszubildende oder Angestellte beim Verlag beschäftigt waren, der die offiziellen Informationsmagazine der Stiftung herausbrachte. Beim Serumwerk Bernburg wurde eine Szene dargestellt, in der eine Mutter ihrem kranken Kind mit Pulmotin helfen konnte, dem seit Jahrzehnten bewährten Husten- und Erkältungsmittel des Serumwerks. Beim Fingerhaus aus dem hessischen Franken­berg probierte ein junges Paar auf der Bühne, ihr erstes eigenes Heim zu planen und zu bauen…

Heute kann sich die Stiftung auf eine in vielen Veranstaltungen gewachsene Crew verlassen. Dazu gehören der Fernsehregisseur Christof Enderlein, die Tontechniker um Matthias Eisner und seine Firma Phönix, die Licht- und Video­techniker und Kameraleute um  Benno Bauermeister und dessen Firma BTA, die Moderatoren, Musiker…

Was 2000 noch geschah
  • Im Vorfeld des Jahreswechsels 1999/2000 wurde Panik mit dem Y2K-Bug, dem Jahr-2000-Problem in Computerchips, gemacht. Computerabstürze sollten ganze Gesellschaften lahmlegen. Die Panik führt zur vorgezogenen Ausrüstung vieler Anwender mit aktuellen Plattformen, was anschließend eine spürbare Rezession im Informatikbereich auslöste. Die Kosten für die Wirtschaft waren gewaltig.
  • Im Februar wird nach einer monatelangen Übernahmeschlacht das Traditionsunternehmen Mannesmann AG ein Teil der Vodafone Group, die damit zum weltweit größten Mobilfunk-Anbieter aufsteigt.

Marcus Jahnke, Geschäftsführer, fit GmbH Premier 2002, Preisträger 2000 „Großer Preis des Mittelstandes“

Helge Fänger, Geschäftsführer, Serumwerk Bernburg AG Premier-Plakette 2007, Premier 2005, Premier-Finalist 2003, Preisträger 2000 „Großer Preis des Mittelstandes“

Mathias Schäfer, Geschäftsführer, FingerHaus GmbH Premier 2009, Premier-Finalist 2006, Preisträger 2000 „Großer Preis des Mittelstandes“