Was 1998 geschah

(10.09.2011)

In Thüringen gab es schon seit Jahren Firmen, die drängten: Wann kommt Ihre mit dem Wettbewerb nach Thüringen? 1998 war es soweit. Thüringen war dabei.  860 Firmen waren  nominiert. Mehr als 1.000 Gäste folgten erneut der Einladung zum 4. Auszeichnungsgala und zum 2. Oskar-Patzelt-Ball.

Bundeswirtschaftsminister Dr. Günther Rexrodt, FDP-Generalsekretär Dr. Guido Westerwelle, BVMW-Präsident Mario Ohoven und BdSt-Präsident Dr. Karl-Heinz Däke waren dabei, auch bei den Diskussionen zum 3. Mittelstands-Symposium am Vormittag. Deutschland diskutierte auch damals über Frauen und Frauenquoten. Die Oskar-Patzelt-Stiftung griff diese Diskussion auf und verlieh erstmals den bundesweit ausgeschriebenen Sonderpreises „Unternehmerin des Jahres“ und erneut den Sonderpreis „Bank des Jahres“.

Dr. Helfried Schmidt, Initiator der Initiative „Großer Preis des Mittelstandes“, errichtete die privatrechtliche „Oskar-Patzelt-Stiftung“ als künftigen Träger aller Aktivitäten. Die Eintragung im Stiftungsregister des Regierungsbezirkes Leipzig erfolgte unter Nr. 2/98. Sie wird seitdem geführt vom Führungsduo Dr. Helfried Schmidt und Petra Tröger, die beide als Vorsitzende des Vorstands agieren. Die erste regionale Servicestelle als Ansprechpartner der Oskar-Patzelt-Stiftung „vor Ort“ wurde damals in Chemnitz beim örtlichen Bürgel-Büro eingerichtet. Heute, im Jahr 2011, gibt es über 40 regionale Servicestellen der Oskar-Patzelt-Stiftung bundesweit in allen Bundesländern.

Solidarität untereinander

Der Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ ist eine Selbsthilfemaßnahme des Mittelstandes. Sie wird vollständig ohne Steuergelder organisiert. Natürlich gibt es immer wieder mal Unternehmen, die das mit einer staatlichen Maßnahme verwechseln und nachfragen: „Wenn ich ausgezeichnet  werden sollte, warum muss ich dann selber Karten für die Veranstaltung kaufen?“ Die Antwort ist einfach: Die ganze Aktion basiert auf ehrenamtlichem Engagement, auf einer großen gegenseitigen Solidarität mittelständischer Unternehmer untereinander.

Weder die Nominierung noch die Teilnahme am Wettbewerb kosten irgendwelche Gebühren. Doch niemand sollte guten Gewissens erwarten, dass die unvermeidbaren Kosten seiner eigenen Teilnahme von anderen Gästen überproportional übernommen werden, nur weil er nicht bereit ist, seinen Anteil an der Ehrung der anderen zu tragen. Wer das nicht akzeptiert, wer Egoismus vor Respekt und Achtung anderer stellt, der hat auch keinen Preis verdient. Darin sind sich jedenfalls die Juroren und das Kuratorium mit der ganz überwiegenden Zahl der Teilnehmer einig. Immer wieder gibt es Gäste, die mit aller Raffinesse vor der Veranstaltung erfahren wollen, ob sie Preisträger werden oder nicht. „Wissen Sie“, wollte ein Unternehmer Stiftungsvorstand Petra Tröger schon mal aus der Reserve locken, „wenn ich wüsste, dass ich ausgezeichnet werde, dann würde ich noch fünf Karten mehr nehmen und meine Mutter und unsere beiden Vertriebsleiter mit deren Gattinnen mitbringen.“

„Als Unternehmer müssen Sie doch täglich Risiken eingehen!“, antwortete ihm Petra Tröger. „Entscheiden Sie sich! Eines kann ich Ihnen versprechen: Sie bekommen einen attraktiven gemeinsamen Ballabend. Gönnen Sie Ihrer Mutter und Ihren Mitarbeitern etwas Gutes, damit die sich noch stärker mit Ihrer aufstrebenden Firma identifizieren. Bereits die Nominierung für diesen Preis ist eine Auszeichnung, die nur wenige erhalten. Und die Kontakte zu anderen erfolgreichen Unternehmen, die Sie an diesem Abend gewinnen können, sind der eigentliche Gewinn.“

Neid muss man sich verdienen

Die meisten Teilnehmer dieser Abende verzichten auf solche Fragen und gönnen sich bewusst auch die Spannung, bis zuletzt nicht zu wissen, wie die Jury entschieden hat. Sie sind zu Recht selbstbewusst genug, um weder neidisch noch hämisch reagieren zu müssen, wenn sie selbst nicht unter den Preisträgern sind. Sie sind souverän genug, um zu wissen, dass der eigentliche Gewinner des jährlichen Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“ der unternehmerische Mittelstand als Ganzes und damit auch jeder einzelne Unternehmer ist. „Mitleid bekommt man geschenkt – Neid muss man sich verdienen“, sagt ein altes Sprichwort. Das gilt auch für die Preisträger des Wettbewerbes „Großer Preis des Mittelstandes“.

In den allermeisten Fällen erfuhren die Preisträger jedoch ehrliches Mit-Freuen, ehrliche Begeisterung, Kraft und motivierende Anerkennung. Einige von ihnen wurden vom Fernsehen zu Talkshows eingeladen, andere bat man, Ehrenämter zu übernehmen. Viele erhielten Glückwunschschreiben von ihren Kommunen, Kammern, Landesregierungen. Was den Initiatoren anfangs vorschwebte, ist Realität geworden. Der „Große Preis des Mittelstandes“ hat sich zu einer geachteten Auszeichnung entwickelt. Die Preisträger jedes Jahres repräsentieren die ganze Breite des unternehmerischen Mittelstandes. Alle Branchen, vom Baubetrieb über den Einzel- und Großhandel bis zur Hightech-Schmiede sind vertreten, ebenso alle Rechtsformen von der Einzelfirma über GmbHs und Genossenschaften bis zur Aktiengesellschaft. Es sind kleine Firmen mit nur zehn bis 20 Mitarbeitern dabei, und große Mittelständler, die über 1.000 Arbeitsplätze aufgebaut haben. Existenzgründer, die mindestens drei Jahre Marktbewährung hinter sich haben müssen, finden sich unter den Preisträgern genauso wie über 100 Jahre alte Unternehmen, die – sich ständig erneuernd – alle Kriege, Krisen und den Wechsel von Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen überleben konnten.

Was 1998 noch geschah
  • Nach Wirtschaftseinbrüchen in Asien und Russland erleidet der weltweite Aktienmarkt im Oktober empfindliche Einbußen.
  • Das Kyoto-Protokoll wird am 11. Dezember 1997 beschlossen. Es ist ein Zusatzprotokoll zur Ausgestaltung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen mit dem Ziel des Klimaschutzes.

 

 

Michael Bauer, Geschäftsführer, Curt Bauer GmbH Ehrenplakette 2009, Preisträger 1998 „Großer Preis des Mittelstandes“