Was 1997 geschah

(09.09.2011)

Nachdem 1996 bereits 600 Gäste der Einladung zur Preisverleihung gefolgt waren, musste ein neues Konzept her. Denn bisher wurde der Abend ohne Eintrittsgelder organisiert. Auf Dauer konnte aber niemand einen so exklusiven Abend für nicht mehrere hundert Gäste nur auf Kosten von Sponsoren erleben. Das würde scheitern. Aus diesem Grunde folgte der 3. Auszeichnungsgala 1997 erstmals ein Mittelstands-Ball. Das Veranstaltungsgelände war exklusiv ausgewählt: Die Glashalle der Leipziger Messe. Als Moderatorin trat die bekannte Tagesschausprecherin Dagmar Berghoff auf. Ein Orchester aus Halle, eine Boygroup, eine Modenschau, ein Ballett und als Stargast des Abends Deborah Sasson traten auf. Eine UNICEF-Tombola fand statt. VW Sachsen hatte einen Passat im Wert von 40.000 Euro für die Mitternachtsverlosung gesponsert.

Mit einem positiven Signal gegensteuern

Der damalige Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt war Schirmherr und hielt das Grußwort. Und am Vormittag fand eine Diskussion zum 2. Wirtschaftssymposium „Der Mittelstand am Wirtschaftsstandort Deutschland“ statt. 480 Firmen waren nominiert. Erstmals war ein Sonderpreis für eine Bank ausgeschrieben. Damals waren die Banken gerade wieder mal in der öffentlichen Kritik. Die Oskar-Patzelt-Stiftung wollte mit einem positiven Signal gegensteuern: Mit der Auslobung eines Sonderpreises für ein Kreditinstitut, das sich in besonderem Maße um den Mittelstand verdient gemacht hat.  Dafür schufen Künstlern und Kunsthandwerker aus Sachsen eine eigenständige Preisskulptur. Was ist das Besondere, das Außergewöhnliche an den Aktivitäten der Oskar-Patzelt-Stiftung? Wie war es möglich, dass diese Initiative in den wenigen Jahren ihrer Existenz bundesweit eine solche Resonanz erfuhr? Wie war es ohne staatlichen Auftrag und dessen Finanzierungssicherheit und ohne ein Bündel von Großsponsoren möglich, jedes Jahr aufs Neue immer wieder immer mehr Menschen für diese Initiative zu begeistern? Und das, obwohl es ausnahmsweise nicht um hungernde Kinder, kranke Menschen oder aussterbende Tierarten ging?

Die Antworten auf diese Fragen ergeben sich von selbst. Allerdings muss man die Fragen richtig formulieren. Das Ganze war nur möglich, weil von Beginn an bewusst auf einen staatlichen Auftrag verzichtet wurde. Ebenso wurde auf eine zu enge Bindung an einen Verband oder eine andere Institution verzichtet. Die Sicherheit solcher Auftraggeber ist immer nur von begrenzter Dauer.

Engagement, Arbeit, Herz und Seele

Nur selten können Initiativen nach Beendigung einer Förderung durch den Staat tatsächlich auf eigenen Füßen erfolgreich weiterbestehen. Die Wettbewerbs-Initiatoren hatten einen völlig anderen Ansatz. Sollte die Aktivität tatsächlich auf Resonanz stoßen, sollte sie wirklich unbefriedigte, brennende Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen stillen, dann würden sich die fehlenden Budgets großer Auftraggeber durch Engagement, durch Arbeit mit Herz und Seele kompensieren lassen. Es kam also darauf an, die richtigen Mitstreiter zu finden. Die wichtigste Person, die der Initiator Helfried Schmidt in all diesen Jahren zur Mitarbeit gewann, ist Petra Tröger. Wer Petra Tröger kennengelernt hat, weiß, dass sie für die Stiftungsarbeit unersetzbar ist: Temperamentvoll, sprühend vor Energie, stets zuverlässig und konsequent, aber auch unerbittlich in der Durchsetzung von Vereinbarungen – das sind die Eigenschaften, die sie auszeichnen. Wenn Helfried Schmidt der Vater des Mittelstandspreises ist, dann ist Petra Tröger dessen Mutter.

Was 1997 noch geschah
  • Der deutsche Bundespräsident Roman Herzog hält seine bekannte Berliner Rede, in der er fordert, durch Deutschland müsse ein „Ruck“ gehen.
  • Am 30. Juni läuft um 24 Uhr der 1898 zwischen Großbritannien und China geschlossene Pachtvertrag über die Nutzung des Stadtgebietes von Hong Kong unwiderruflich ab. Hong Kong fällt am 1. Juli unter die Oberhoheit der Volksrepublik China.

Karl-Josef Gries, Geschäftsführer, Bruno Barthel GmbH & Co. KG Premier-Finalist 2009, Preisträger 1997 „Großer Preis des ­Mittelstandes“