Was 1995 geschah

(07.09.2011)

Der „Große Preis des Mittelstandes” der Oskar-Patzelt-Stiftung hat sich als private Initiative schrittweise – völlig ohne staatliche Finanzierung und ausschließlich ehrenamtlich organisiert – zu einem der wichtigsten deutschen Wirtschaftspreise entwickelt. Es war das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit, um das sich Dr. Helfried Schmidt und Petra Tröger kümmern wollten. Die Idee war, mit einem Wirtschaftspreis eine Bühne zu schaffen, auf der mittelständische Unternehmer Anerkennung für ihre gewaltigen unternehmerischen und sozialen Leistungen erfahren können. Der einfache Zusammenhang „Gesunder Mittelstand – starke Wirtschaft – mehr Arbeitsplätze“ sollte wieder Akzeptanz finden.

Die bevorstehende Aufgabe von der Idee zur Umsetzung war gewaltig. Hinzugezogene Unternehmensberater schätzten damals die Markteinführungskosten auf mehrere Millionen D-Mark. Wo sollte der Existenzgründer die hernehmen? Es musste anders gehen. Es musste gelingen, Menschen für die Idee zu begeistern, ehrenamtliches Engagement auszulösen, eine Initiative zu begründen und auf diese Weise fehlende Millionen zu kompensieren.

So eine verrückte Idee

In zahlreichen Gesprächen ging es darum, Mitstreiter zu gewinnen. Meist war das kein Problem. Die Mehrzahl dieser Gespräche wurde mit Persönlichkeiten geführt, die mit ehrlichem Wollen und heißen Herzen die Initiative unterstützen wollten, weil sie sie für nötig hielten.

Einer von ihnen, ehemaliger Unternehmer und damals als Abgeordneter des Bundestages die Mühen des parlamentarischen Alltags gewohnt, erzählte Jahre später folgende Begebenheit: Er habe nach dem Gespräch in seinem Abgeordnetenbüro mit Dr. Schmidt an seinem Schreibtisch mit dem Kopf geschüttelt und gedacht: „Was für eine verrückte Idee!“ Aber auch er wurde angesteckt.

Jahrelang arbeitete er aktiv in der Jury mit. So kam es 1994 zur Gründung einer Koordinierungsgruppe aus Mitgliedern von Regierungspräsidien, Kammern, Unternehmerverbänden, Kommunen, Wirtschaftsförderungsgesellschaften u. a. zur Einrichtung der Preisverleihung „Große Preis des Mittelstandes“.

Von der Idee zur Skulptur

Die ersten Schritte waren getan. Das Kind war geboren und hatte einen Namen – aber keine Gestalt! Wie sollte der Preis aussehen? Er musste ein Symbol für Beharrlichkeit und Kraft, für etwas Aufstrebendes, aber auch Schönes sein. Was lag also näher, als bei den Profis an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst nach einer Umsetzung zu suchen. Es fand sich ein Graphikstudent, Karsten W. Kunert, der sich für diese Aufgabe begeistern ließ. Nach seinen Entwürfen entstand die erste Skulptur als Gipsmodell. Eine Leipziger Firma fand die ganze Sache so toll, dass sie die Gussform für den ersten Bronzeguss sponserte. So entstand Anfang 1995 in einer Kunstgießerei der Messestadt die erste Bronzestatue.

Start in Sachsen

Im März 1995 fand dann die 1. Galaveranstaltung zur Verleihung des „Großen Preises des Mittelstandes” statt. Bereits zu dieser ersten Preisverleihung 1995 war die Resonanz überwältigend. 300 Gästen folgten der Einladung ins Leipziger Rathaus. Dabei ging es „nur“ um ein paar Auszeichnungen für Firmen des damaligen Regierungsbezirkes Leipzig, ohne große Ausstrahlung über das Gebiet des Freistaats Sachsen hinaus. Vor allem die Kommunen griffen damals die Möglichkeit auf, sich mit einer Nominierung zum Wettbewerb bei den Unternehmen zu bedanken, die sich mit hohem Einsatz, riskanten Investitionen und vielfältigem Engagement für die Arbeits- und Ausbildungsplätze der Region stark machten.

Das besondere Charisma, die Seele, die Authentizität, die Ausstrahlung dieser Initiative, die sich aus dem Mittelstand heraus für den Mittelstand entwickelte, ohne staatlichen Auftrag, ohne Steuergelder, ohne Millionenbudgets von Großunternehmen, wirkte von Anfang an und zu den Preisträgern der ersten Stunde gehörte die Firma ELMO Elektromontagen Leipzig GmbH.

Was 1995 noch geschah
  • Das Unternehmen Deutsche Post AG entsteht durch Privatisierung gemeinsam mit der Deutsche Telekom AG und der Postbank AG aus der Behörde Deutsche Bundespost
  • Die Staats- und Regierungschefs der EU einigen sich Mitte Dezember auf den Euro als gemeinsame Währung. Man vereinbart den 1. Januar 1999 als Einführungsdatum.

Stephan Findeisen (i.B.r.), Geschäftsführer, ELMO-Elektromontagen Leipzig GmbH Premier-Finalist 2008, Ehrenplakette 2007, Preisträger 1995 „Großer Preis des Mittelstandes“