Von Generation zu Generation

(10.05.2012)
P.T. sprach mit Veronika Lindner über mittelständische Werte

Die Lindner Group ist Europas führender Spezialist in den Bereichen Innenausbau, Fassadenbau und Isoliertechnik. 1965 gegründet, hat das bayerische Familienunternehmen weltweit über 5.500 Mitarbeiter aufgebaut.

In der Rechtsform einer KG sind sowohl Gründer Hans Lindner als auch seine Tochter Veronika Lindner, die seit 2008 Finanzvorstand des Unternehmens ist, klassische „Vollhafter“. Sie riskieren Ihre gesamte Existenz für den Erfolg des Unternehmens, ganz im Sinne des Leitbilds vom ehrbaren Kaufmann.
Die Hans Lindner Stiftung fördert mit einer Ferienakademie und der  Beteiligungsgesellschaft Xper Unternehmensgründungen in der Region. P.T. befragte Finanzvorstand Veronika Lindner zu aktuellen Themen.

P.T.: Die Lindner Group wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem im Jahr 2011 mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“. Sie sind wie Ihr Vater persönlich haftender Gesellschafter der  Lindner Group KG. Hat diese Rechtsform aus Ihrer Sicht Zukunft?
V. Lindner: Ich denke für Familienunternehmen, die langfristig planen und nicht mit kurzfristigen Erfolgen an die Öffentlichkeit gehen, ist dies die richtige Rechtsform.

P.T.: Auch Anton Schlecker nahm als eingetragener Kaufmann volle persönliche Haftung auf sich. Dennoch gereichte ihm dies nach dem Scheitern nicht zur Ehre, sondern nur zur Häme. Die Haltung, ehrbar bleiben zu wollen, wird offenbar nicht belohnt?
V. Lindner: Nachdem was ich gelesen habe, hat Anton Schlecker, als es zu Schwierigkeiten im Unternehmen kam, nach und nach private Einschüsse in das Unternehmen gemacht und sein privates Vermögen eingesetzt. Es ist schade, dass solch eine Haltung ihm nicht zur Ehre gereicht. Abgesehen davon bin ich jedoch der Meinung, dass im Falle Schlecker schon eher eine unternehmerische Notbremse gezogen hätte werden müssen.

P.T.: Die Reichsten-Liste des Manager-Magazins hat Anton Schlecker noch im Vorjahr wirklichkeitsfremd mit 3,1 Milliarden Dollar Reichtum taxiert, indem die bereits bekannten Schulden einfach ignoriert wurden. Aus der Sicht des Gläubigers wäre Schlecker reich, wenn sein Privatvermögen zur Deckung der Verluste ausgereicht hätte. Das war offenbar nicht der Fall. Aus der Sicht einer Verkäuferin ist Schlecker immer noch reich, solange er ein größeres Auto fahren kann, selbst wenn es seiner Frau gehört. Blenden die Reichensteuer-Diskussionen nicht einfach völlig aus, dass nur der wirksam haften kann, der was zu verlieren hat?
V. Lindner: Das ist richtig. Hier muss ein Unterschied gemacht werden. Wenn wir als persönlich haftender Gesellschafter das Unternehmen führen, müsste das bei einer Reichensteuer-Diskussion unterschiedlich anders behandelt werden, als wenn wir nicht unternehmerisch haften würden.

P.T.: In der öffentlichen Diskussion ist immer nur von den Millionengehältern der angestellten DAX-Vorstandschefs die Rede. Die 99 Prozent der Unternehmer im Mittelstand, die sich selbst nur Bruchteile solcher Gehälter zahlen können und persönlich haften, sieht man nicht.  Dort haben gerechtigkeitsmotivierte Wutbürger ihren blinden Fleck, oder?
V. Lindner: Ich denke, Vorstandschefs, die in DAX-Unternehmen angestellt sind, haben eine andere Denke als ein mittelständischer Unternehmer. Umgekehrt dürfen wir nicht vergessen, dass häufig einem Unternehmer des Mittelstandes das Unternehmen gehört, während der angestellte Dax-Unternehmer für kurze Zeit als Angestellter arbeitet.

Überholtes Grundwissen

P.T.: Vor allem Linke polemisieren bei der Reichensteuer-Diskussion damit, dass „keiner mehr als eine Million Euro pro Jahr verbrauchen kann“ und übersehen dabei, dass es gerade im Mittelstand nicht darum geht, mehr zu ­konsumieren, sondern mehr zu investieren. Öffentlichkeit, Medien und Schulbücher scheinen volkswirtschaftliches Grundwissen für überholt zu halten. Halten den Sozialismus in seinem Lauf tatsächlich weder Ochs noch Esel auf?
V. Lindner: Von wenigen negativen Beispielen abgesehen, die in der Presse der Allgemeinheit ausführlich vorgestellt werden, arbeitet der Mittelstand für "sein Unternehmen" und für "seine Mitarbeiter". Die meisten Unternehmer wissen, dass sie auch "nur ein Schnitzel essen" können.

P.T.: Wie kommt es, dass so vehement für Frauenquoten in der Wirtschaft gestritten wird, obwohl im Mittelstand jede vierte Führungsposition von einer Frau besetzt ist – mehr als in allen politischen Führungsebenen?
V. Lindner: Auch hier zeigt sich, dass der Mittelstand von Generation zu Generation arbeitet und weniger Rücksicht auf Mann oder Frau nimmt. Natürlich sind mehr Männer als Frauen auch im Mittelstand in der Unternehmensleitung tätig, dies ergibt sich aus den unterschiedlichen Lebenszielen von Männern und Frauen, die man nicht wegdiskutieren sollte, aber wie Sie richtig sagen, mehr als in allen politischen oder Konzernführungsebenen.

Die Lindner Group wurde 2011 als Preisträger ausgezeichnet.

Veronika Lindner bei der Preisverleihung „Großer Preis des Mittelstandes“ in Würzburg 2011 (Foto: Boris Löffert)