Starkes Miteinander - Ein Jahr Mittelstands-FORUM Deutschland

(21.07.2009)
Interview mit den Sprechern des Mittelstands-FORUM Deutschland, Wolfgang (WN) und Heidi (HN) Niederhofer zum einjährigen Bestehen des FORUMs. Beide führen in Niederbayern eine mittelständische Fensterfabrik mit über 80 Beschäftigten. Das Gespräch führte Bernd Schenke.

Vor einem Jahr wurde das Mittelstands-FORUM Deutschland gegründet. Sie sind seitdem Sprecher des FORUMs. Sind Sie mit dem ersten Jahr zufrieden?        

WN: Wir haben ein gutes Jahr hinter uns. Die ersten Projekte sind angestoßen, die ersten Treffen des FORUMs nach der Gründung haben in Aue (Sachsen) und Northeim (Niedersachsen) stattgefunden. Wir haben Publikationen und eine Homepage erstellt. Wir haben Mitglieder hinzugewonnen …

 

Ich bin überrascht. Alle anderen jammern doch wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise?

WN: Unsere Mitglieder sind davon natürlich in verschiedenem Maße auch betroffen und finden Wege, damit umzugehen. Jammern hilft nie. Das FORUM selbst ist davon unbeeinflusst.

 

Das FORUM will die Oskar-Patzelt-Stiftung und ihren Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ unterstützen. Wie sind Sie persönlich auf diese Initiative aufmerksam geworden?

WN: Zum ersten Mal hörten wir von der Oskar-Patzelt-Stiftung durch unsere Nominierung zum „Großen Preis des Mittelstandes“ im Jahr 2006. Die Stadt Vilshofen an der Donau hatte uns zur Auszeichnung vorgeschlagen. Von der Nominierung wussten wir zunächst nichts, wir erfuhren das erst, als die Oskar-Patzelt-Stiftung uns das mitteilte.

 

Das heißt, Sie haben sich nicht selbst beworben und wurden auch nicht vorher gefragt?

HN: Genau. Die Stadt Vilshofen an der Donau hat diese Nominierung als Anerkennung dafür ausgesprochen, dass wir aus einem kleinen Handwerksbetrieb ein weit über die Region hinaus bekanntes Unternehmen aufgebaut haben. Alle unsere Mitarbeiter haben das als große Ehrung empfunden. Erst recht, als wir uns überraschend bereits 2007 als Finalist und ein Jahr später als Preisträger des „Großen Preises des Mittelstandes“ freuen konnten.

 

Deshalb gründet man doch nicht gleich eine neue Struktur?

HN: Es war nicht nur diese Anerkennung. Es gab zahlreiche gute Kontakte und Begegnungen, mit Verantwortlichen der Oskar-Patzelt-Stiftung ebenso wie mit anderen Mittelständlern. Dieses mittelständische Netzwerk, das die Stiftung über 15 Jahre geknüpft hat, war hochinteressant. Daraus ergaben sich bereits viele fruchtbare Partnerschaften und auch persönliche Freundschaften. Da wollten wir uns mehr einbringen, nicht nur nutzen, sondern etwas zurückgeben, aktiv etwas beitragen.

WN: Genau. Erstmals diskutierten das etwa 30 Unternehmer im Dezember 2007 in Jena und im April 2008 in Vilshofen. Dabei sprang der Funke über. Wir halten die Stiftungsarbeit für so wichtig, um mittelständisches Unternehmertum zu fördern, dass sie so einfach und unkompliziert wie möglich unterstützt werden sollte. Nach vielen Diskussionen kristallisierte sich ein Weg heraus: Ein Freundeskreis zur Förderung des Mittelstandes, ganz locker, ohne alle hemmenden Regularien. Ohne Satzung, ohne Statut oder Ähnliches, ohne verpflichtende Bindungen, ohne besonderen Rechtspflichten, ohne festen Mitgliedsbeitrag. Es ist ein freiwilliger lockerer Zusammenschluss, in den sich jedermann in verschiedenster Form einbringen kann – sozusagen mit Rat UND/ODER Tat.

 

 

Und was wollen Sie damit erreichen?

WN: Es geht um die generelle Unterstützung der Sache „Mittelstand“. Wir sind überzeugt, dass eine fruchtbare menschliche Verbindung von Wirtschaft (Mittelstand), Kultur und Politik möglich ist. Und zwar auf allen Ebenen – von der Kommune, über die Länder bis hin zur Bundesrepublik. Die Beispiele aus unserer Region und von anderen Mitglieder des FORUMs können über unsere Grenzen hinausgetragen werden, Mut machen, Beispiel geben.

HN: Menschlichkeit im Umgang miteinander und persönliche Freundschaften sind unserer Meinung nach der Schlüssel für jeden Erfolg. Das zentrale Anliegen ist es, die Arbeit der Oskar-Patzelt-Stiftung mit Ideen und Kapital zu unterstützen, um ihr Wirken auf eine noch breitere Basis zu stellen, den Mittelstand und sein breites soziales und gesellschaftliches Engagement damit nachhaltig zu stärken.

 

Wie ist denn eine zielorientierte Arbeit ohne feste Regularien möglich?

WN: Durch eben diese menschlichen, freundschaftlichen, vertrauensvollen Kontakte untereinander. Wir telefonieren viel miteinander, wir treffen uns, zum Beispiel auf Veranstaltungen der Oskar-Patzelt-Stiftung. Zwei bis drei Mal jährlich kommt das FORUM zu eigenen Veranstaltungen zusammen und berät dabei mit der Oskar-Patzelt-Stiftung den aktuellen Stand und die nächsten Schritte.

 

Hat sich das bei konkreten Projekten bewährt?

WN: Ein erstes großes Projekt war die Etablierung eines bundesweiten „Kompetenz-Netzwerk Mittelstand“. Dieses Netzwerk soll die deutschlandweite Vernetzung des FORUMS und der Teilnehmer und Preisträger des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstands“ per Internet ermöglichen.

HN: Bereits durch seine bloße Existenz erreicht dieses Internet-Portal eine höhere öffentliche Aufmerksamkeit für mittelständische Unternehmen. Nach einem Jahr Entwicklungsarbeit geht es in den nächsten Wochen online. Daneben unterstützen wir die Oskar-Patzelt-Stiftung unter anderem bei der Ausschreibung eines Dissertations-Wettbewerbs, bei der Edition einer Unternehmerbibliothek und bei Veranstaltungen.

 

Ist das Wort „Deutschland“ im Namen des Forums nicht ein zu hoher Anspruch?

WN: Bereits jetzt sind über 20 Firmen und Institutionen aus 8 oder 9 Bundesländern aktive Mitglieder, unter anderem auch die Stadt Vilshofen und der Landkreis Passau. Wir zweifeln nicht an der weiteren deutschlandweiten Vernetzung des FORUMS. Jeder, der etwa beitragen kann und will, ist willkommen. Dabei geht es nicht um einzelne Unternehmen, sondern um den heimischen Mittelstand als Ganzes und die Regionen der Beteiligten, gerade in einer globalisierten Welt. Es kommt darauf an, zu handeln. Viele kleine Zahnräder bewegen mit der Zeit auch große Zahnräder.

HN: Der deutsche Mittelstand kann seine Stärke und seine Fähigkeiten mit Stolz zeigen. Er überstand schon viele Krisen. Mit engem Zusammenhalt vieler gelingt das auch heute. Niemanden ausgrenzen, ein starkes Miteinander bilden, dabei auch noch eine große Freude am Dabeisein empfinden, das ist unser Weg.

 

Und wie kann man diese Arbeit unterstützen?

WN: Alle Gönner des Mittelstandes und der Oskar-Patzelt-Stiftung, egal ob Mitglied bei uns oder nicht und damit letztlich jeder, der etwas Positives bewirken will, sind willkommen. Wir leiden keine Not, für die wir Hilfe suchen. Sondern wir haben Ziele, für die wir Unterstützung brauchen. Wichtig für uns ist die gute Zusammenarbeit untereinander auf allen Ebenen, auch mit den Medien, den Kommunen, der Landes- und der Bundespolitik. Unterstützung können wir von Jedem gebrauchen, der positiv am starken Mittelstand mitwirken will. Deshalb könnte bei dieser Frage unser Motto einfach lauten: „Macht mit – packt an – dann geht’s auch voran“.

 

Wolfgang und Heidi Niederhofer

Wolfgang und Heidi Niederhofer (Foto: eventDiary)