So ist der Mittelstand wirklich

(14.02.2013)
Im Netzwerk des „Großen Preises des Mittelstandes“ sind Selbständige, Mittelständler und Global Player.

Leipzig (ptm 2/13) - „Mittelstand“ gehört zu den Begriffen, bei denen eigentlich jeder weiß, was gemeint ist. Fragt man aber drei Leute, was zum Mittelstand gehört, erhält man mindestens fünf sich teils widersprechende Antworten.

Für die Oskar-Patzelt-Stiftung ist der unternehmerische Mittelstand DER Jungbrunnen einer Gesellschaft. Um dies ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, gibt es den Wettbewerb Opens external link in new window„Großer Preis des Mittelstandes". Denn es sind immer die Gründer, die Jungunternehmer, die manchmal fast besessenen Ideenverfechter, die die Mauern des Alten einreißen und innovativ die Zukunft schaffen.

Dabei weiß anfangs niemand, ob ein Gründer überhaupt das erste Jahr überstehen wird. Jeder Dritte scheitert schon in den ersten zwei oder drei Jahren. Innerhalb der ersten sechs Jahre muss sogar die Hälfte aller Gründer aufgeben. Sie überstehen „das verflixte siebente Jahr“ trotz 80-Stunden-Wochen, extremem Engagements und persönlicher Verschuldung nicht. Nur jeder zweite Gründung funktioniert wirtschaftlich über längere Zeit.

Die meisten dieser Geschäfte machen ihre Inhaber auch nicht reich, aber sie ernähren die Familie  des Unternehmers. Viele Geschäfte bleiben dauerhaft das, was Volkswirtschaftler etwas abschätzig Kleinstunternehmen nennen: Weniger als zehn Mitarbeiter, Umsatz unterhalb einer Million Euro, Gewinnmargen, mit denen nach Steuern nur mit Not unvermeidbare Ersatzinvestitionen und unaufschiebbare Schuldentilgungen möglich sind.

Erst an dieser Stelle fängt der Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ an zu suchen: Wenigstens 10 Mitarbeiter oder wenigstens eine Million Umsatz. Und mindestens seit drei Jahre stabil am Markt. Das sind die Geschäfte mit Power, die das Zeug haben zu wachsen und wirklich Neues zu schaffen. Das sind die Unternehmen, die nicht nur zukunftsfähig sind, sondern aktiv zukunftsgestaltend wirken können.

Hier agieren Persönlichkeiten und Teams, die sich nicht von externen Entwicklungen treiben lassen wollen, sondern die selbst die Entwicklung vorantreiben wollen. Mehrere hunderttausend Unternehmen in Deutschland kommen da in Betracht. Jedes Jahr werden beim „Großen Preis des Mittelstandes“ solche Firmen Opens external link in new windowausgezeichnet.

Das Besondere am „Großen Preis des Mittelstandes“ ist, dass nicht nur betriebswirtschaftliche Kriterien, oder Familienfreundlichkeit, oder Innovation bewertet werden, sondern das Unternehmen in seiner Gesamtheit und in seiner Rolle in der Gesellschaft. Deshalb hat die jährliche Ausschreibung des Wettbewerbs auch nach 19 Jahren noch weiter zunehmende Resonanz: Mehr als 1.000 Institutionen und Persönlichkeiten nominierten für 2013 mehr als 4.000 Unternehmen, von Hamburg über Potsdam bis zum Bodensee, vom Steinmetz über den Maschinenbauer bis zum Paketdienstleister.

Es geht um Anerkennung dieser Leistungen. Es geht um Respekt vor diesen Leistungen. Die kleinsten ausgezeichneten Unternehmen haben tatsächlich nur zehn, oder 20 oder 50 Mitarbeiter.  Sie kommen aus allen Bereichen unseres Lebens: Produktion, Dienstleistung, Handel, Handwerk. Manche sind erst vor wenigen Jahren gegründet worden, manche haben schon ein Jahrhundert „auf de Buckel“.

Die älteste jemals beim Wettbewerb ausgezeichnete Firma ist die Opens external link in new windowFessler Mühle aus Baden-Württemberg, die schon vor über 600 Jahren – im Jahr 1396 -  gegründet wurde und bis heute als Familienbetrieb rund 30 Mitarbeiter mit Mahlen und mit einem Zentrum für Ernährung, Fitness, Gesundheit, Kultur und Bildung ernährt.

2011 erhielt die Opens external link in new windowLindner Group KG aus dem kleinen niederbayerischen Arnstorf einen Sonderpreis für das Lebenswerk. Hans Lindner, Existenzgründer von 1965, ist heute Europas führender Spezialist für Innenausbau, Fassadenbau und Isoliertechnik mit weltweit mehr als 5.000 Mitarbeitern in über 20 Ländern. In den 60er Jahren konnte diese Entwicklung keiner voraussehen. Es gab auch nur einen, der das wirklich wollte.

Das war Hans Lindner selbst. Jede Region, die über Jahre gewachsene Mittelständler wie Lindner „zu Hause“ hat, kann froh sein. Ein paar solche Firmen, in unterschiedlichen Branchen, und die Region übersteht jede Krise, hat attraktive Arbeitsplätze, genügend Ausbildungsangebote, starke Partner für gesellschaftliches Engagement, eine kooperativ lebendige Lebensqualität und außerdem im Regelfall ausreichende Steuereinnahmen statt kommunaler Neuverschuldung.

Auch in der Region um Hof ist solch ein Unternehmen gewachsen. Der Landkreis Hof nominierte es mit folgender Begründung: „Ein Unternehmen prägt eine Region - der Einfluss des Kunststoff-Spezialisten Opens external link in new windowRehau AG + Co. ist im Raum Hof nicht zu übersehen. Das Unternehmen hat sich aus kleinsten Anfängen unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem international tätigen Polymerspezialisten entwickelt.

Mit weltweit ca. 15.000 Beschäftigten beliefert der familiengeführte Mittelständler alle namhaften Automobilhersteller. Gebäudetechnik im weitesten Sinne ist ein starker Schwerpunkt bei Forschung und Entwicklung. In der Rehau AG + Co. wird sehr gut ausgebildet. Über die vergangenen Jahrzehnten wurden auf Landes- und Bundesebene viele Auszubildende für Spitzenleistungen ausgezeichnet.

Das Unternehmen arbeitet eng mit verschiedenen Hochschulen zusammen und zeichnet jährlich Nachwuchswissenschaftler für hervorragende Leistungen aus. Hervorzuheben ist die internationale Orientierung - für einen ursprünglich sehr kleinen Mittelständler seit Jahren nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern die Basis für ein alle Kontinente übergreifendes kontinuierliches Wachstum.“

Die Antwort, die die Oskar-Patzelt-Stiftung von Rehau erhielt, überrascht: „Wir schätzen diese Nominierung aus der Region tatsächlich sehr. Trotzdem bitten wir um Verständnis, dass wir uns für den „Großen Preis des Mittelstandes“ nicht bewerben wollen. Als weltweit tätiges Unternehmen mit 170 Niederlassungen in über 50 Ländern, rund 17.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 2,6 Milliarden Euro fühlen wir uns – mit Verlaub - dem Mittelstand etwas entwachsen.

Eine Teilnahme wäre auch unfair gegenüber den echten mittelständischen Betrieben, die im Sinne der Wettbewerbskriterien unter oftmals schwierigen Bedingungen wirklich Großartiges leisten. Wir hoffen, Sie können unsere Beweggründe für eine Absage nachvollziehen. Gleichwohl wünschen wir Ihnen einen erfolgreichen Wettbewerbsverlauf.“

Dr. Helfried Schmidt, Vorstand der Oskar-Patzelt-Stiftung kommentiert: „Das ist eine großartige Entscheidung. Sie zeugt von großem Respekt und Achtung für all jene Firmen, die erst eine Entwicklungsstufe erreicht haben, die Rehau schon in den 70er oder 80er Jahren hinter sich ließ. Viele kleinere Firmen haben natürlich Sorge, im Schatten solcher jahrzehntelang gewachsenen Lebensleistung von Juroren gar nicht wahrgenommen werden zu können. Diese Sorge ist zwar unberechtigt. Aber die Haltung von Rehau ist überaus ehrenwert und entspricht vollkommen der Philosophie der Stiftung.“

Petra Tröger, Vorstand der Oskar-Patzelt-Stiftung, ergänzt: „Der bundesweite Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ ist nicht nur überregional, er ist auch branchenübergreifend. Deshalb kommen im Netzwerk dieses Wettbewerbs immer wieder Firmen und Menschen zusammen, die sich in ihrer täglichen Arbeit oder Freizeit nie getroffen hätten – und sich dennoch gegenseitig auf Anhieb verstehen. Häufig haben sich fruchtbare Kontakte entwickelt, Geschäfte wurden angebahnt, Freundschaften sind entstanden. Die Entscheidung von Rehau zeigt, dass in diesem  erfolgreichen Global Player immer noch die mittelständischen, kooperativen Werte herrschen, mit denen Helmut Wagner das Unternehmen seit der Gründung 1948 groß gemacht hat.“

Langjährige Partner der Oskar-Patzelt-Stiftung, die mit derselben Philosophie für den Mittelstand wirken, sind zum Beispiel Global Player wie die Opens external link in new windowDeutsche Post AG, Finanzdienstleister wie die Opens external link in new windowNRW-Bank, Institutionen wie die Opens external link in new windowIHK Halle/S., das Opens external link in new windowMinisterium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten Brandenburg, das Opens external link in new windowAuswärtige Amt und viele viele andere.

In mehr als 180 Stadien weltweit steckt Know-how einer Firma, die sich vom Startup im fränkischen Hof über einen soliden Mittelständler heute zum Global Player entwickelt hat: REHAU. (Foto: Stefan Winterstetter)