Planung, Potenziale, Erfahrungen

(06.04.2011)
Netzwerktalk Unternehmensnachfolge im Kornhaus Dessau-Roßlau

Dessau-Roßlau. Ziel des zweiten Netzwerktalkes 2011 in Dessau-Roßlau war es,  das unternehmerische Handeln und Denken auf die Unternehmensnachfolge zu richten. Rund 100 Gäste informierten sich im Rahmen der zweistündigen Veranstaltung zu steuerlichen und rechtlichen Fragen. Eingeladen hatte die Servicestelle Dessau-Roßlau für den Großen Preis des Mittelstandes in Kooperation mit dem BVMW e.V. (Bundesverband mittelständische Wirtschaft) und der Landesinitiative NETWORK-KMU.

Der Botschafter des Großen Preis des Mittelstandes Matthias Freiling betonte zu Beginn, wie wichtig das Thema Unternehmensnachfolge für die Wirtschaft sei. „Allein in Sachsen-Anhalt stehen bis 2014 rund 2 200 Unternehmen mit etwa 21 000 Mitarbeitern zur Übergabe an.“ In seiner Anmoderation würdigte der Initiator des Netzwerktalks das Engagement der Kooperationspartner. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit BVMW und NETWORK-KMU zwei starke Partner für den Netzwerktalk gewinnen konnten. Beide sind wichtige und fachkundige Ansprechpartner für Unternehmen zu Fragen rund um das Thema des Abends. Die hohe Zahl der Anmeldungen zeigt deren Bedeutung. Das hätte die Servicestelle allein nicht schaffen können“, sagte Matthias Freiling.

In dem anschließenden Grußwort des Leiters des Kreisverbandes Anhalt-Bitterfeld / Dessau-Roßlau BVMW e.V. unterstrich Frank Malitte die Bedeutung des Themas für den Bundesverband mittelständische Wirtschaft. „Mit unserem Projekt ‚BVMW Unternehmensnachfolge und Geschäftspartner- und beteiligungen gesucht Inland und Ausland’ werden den Unternehmern und Unternehmerinnen Lösungsansätze offeriert. Unsere Strategie für dieses Projekt lautet: Unter Nutzung unterschiedlicher Kooperationsmöglichkeiten schon frühzeitig den Weg für zukünftig nachhaltige Unternehmensnachfolgen vorzubereiten. Das Ziel ist, eine maximale Zahl an fortführungswürdigen mittelständischen Unternehmen zu erhalten.“ Frank Malitte ermutigte die Teilnehmer, rege vom Angebot des BVMW Gebrauch zu machen.

Die Sicherung der Unternehmensnachfolge ist auch für die Landesinitiative NETWORK-KMU ein wichtiges Thema. Als zentrale Koordinierungsstelle unterstützt Projektleiter Jens Brenneisen mit seinem Team und den Netzwerkpartnern, insbesondere dem NACHFOLGER-CLUB, die Sicherung der Unternehmensnachfolge in Sachsen-Anhalt. „Da die Zahl der familieninternen Nachfolgen rückläufig ist, gewinnt die Weitergabe des Betriebes an eigene Mitarbeiter oder an externe Führungskräfte an Bedeutung. Unser Netzwerkprojekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die bestehenden Erfahrungen unserer einzelnen Netzwerkpartner zu bündeln und die vorhandenen Beratungsleistungen von der Prävention bis zur Nachsorge für kleine und mittelständische Unternehmen zur Verfügung zu stellen“, hob der Projektleiter hervor.

Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf den Vorträgen „Unternehmensnachfolge in der Familie – Ein steuerlicher Wegweiser“ und „Die 7 Rechtsirrtümer der Unternehmensnachfolge“. Der Steuerberater Torsten Lenk als Vertreter des ETL Verbundes und der ortsansässigen Steuerberatungsgesellschaften Schmidt & Partner GmbH und ADVITAX befasste sich mit der schwierigsten Form der Nachfolge überhaupt: der Familiennachfolge. So seien die Erwartungen des Übergebers an den Nachfolger bei Familienangehörigen viel höher als bei Dritten. Bei der Familiennachfolge gibt es mehrere Varianten. In den meisten Fällen geht das Unternehmen in Form der vorweggenommenen Erbfolge bzw. Schenkung auf die nächste Generation über. Der Nachfolger erhält dabei den Betrieb unentgeltlich. Es gibt aber auch Varianten, in denen es sinnvoll oder sogar notwendig ist, dass der Nachfolger eine Gegenleistung für das Unternehmen erbringt. Wer sich mit der Unternehmensübergabe beschäftigt, muss sich oft mit lästigen Themen befassen: Übertragungsformen, Unternehmenswerte, Rechtsformen, Altersversorgung. Ein weites Feld, das eine Palette von Möglichkeiten bietet, Fehler zu machen. Dass sich sehr vieles clever und ökonomisch lösen lässt, unterstrich auch Rechtsanwalt Dr. Uwe Schlegel von der Eisenbeis Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in seinem Vortrag.

Die Servicestelle der Oskar-Patzelt-Stiftung Dessau-Roßlau griff in ihrem zweiten Netzwerktalk im Jahr 2011 erneut ein spannendes Thema der Wirtschaft auf, das auch im Anschluss an die Vorträge intensiv unter den rund 100 Gästen diskutiert

wurde. Die Oskar-Patzelt-Stiftung organisiert deutschlandweit den Großen Preis des Mittelstandes. Der Wettbewerb, laut jüngster Studie der isw Gesellschaft für wissenschaftliche Beratung und Dienstleistung mbH wichtigste Wirtschaftspreis in Deutschland, verfügt über eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen. Dazu gehört, dass sich Unternehmen nicht selbst für den Preis bewerben können, sondern von Dritten dafür nominiert werden müssen. Zugleich zählt der Große Preis des Mittelstands zu den wenigen Wettbewerben, die keine Gebühren von den Kandidaten erheben. Ziel des Wettbewerbes ist die Förderung des Respekts und der Achtung vor unternehmerischen Tugenden wie Verantwortung, Fleiß und Erfindungsreichtum, die Förderung einer Kultur der Selbstständigkeit und die Kommunikation der Erfolge mittelständischer Unternehmen. Die Entscheidung zur Auszeichnung fällen Regionaljurys der zwölf Wettbewerbsregionen und eine Abschlussjury. Je Wettbewerbsregion können im Regelfall drei Unternehmen als Preisträger und fünf weitere als Finalisten ausgezeichnet werden. Darüber hinaus werden bundesweite Sonderpreise für die Unternehmerin des Jahres, die Kommune des Jahres, die Bank des Jahres sowie Premier und Premier-Finalist ausgelobt. Als Premier oder Premier-Finalist können nur Preisträger früherer Jahre ausgezeichnet werden.

Für die laufende 17. Wettbewerbsrunde sind aus der Region Dessau-Roßlau über 50 Unternehmen nominiert. Bis Mitte April haben die Nominierten nun die Möglichkeit, Unterlagen bei der Jury einzureichen und den Sprung auf die Juryliste zu schaffen. Damit sind sie dann in der entscheidenden Runde, aus der die Finalisten und Preisträger ausgewählt werden. Mit der großen Zahl an Nominierungen zeigt Dessau-Roßlau, dass die Region eine breite Basis an starken Unternehmen zu bieten hat. In Dessau-Roßlau ist die GfM Unternehmensgruppe seit mittlerweile drei Jahren Servicestelle und damit erste Ansprechpartnerin. Der Leiter der Servicestelle Henning Rode ist per E-Mail unter henning.rode[at]gfm.de zu erreichen. Unter dieser Adresse können auch Folien der Vorträge kostenfrei angefordert werden.

Redner Jens Brenneisen (Projektleiter der Landesinitiative NETWORK-KMU)

Die Protagonisten des Abends - vlnr: Dr. Uwe Schlegel (ETL-Rechtsanwälte), Torsten Lenk (ETL-SCS AG Steuerberatungsgesellschaft), Frank Malitte (BVMW), Jens Brenneisen (Projektleiter der Landesinitiative NETWORK-KMU), Matthias Freiling (Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung und Geschäftsführer der GfM Unternehmensgruppe)

Zuhörer 1

Redner Frank Malitte (BVMW)

Redner Torsten Lenk (ETL-SCS AG Steuerberatungsgesellschaft)

Zuhörer 2

Redner Dr. Uwe Schlegel (ETL-Rechtsanwälte)

lukullischer Ausklang